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2008 Herbstversammlung am 24. November

In der winzigen Klosterherrschaft Engelberg war der Abt im Ancien Régime auch oberster Gerichtsherr. Gemeinsam mit den von ihm eingesetzten Talrichtern kümmerte er sich um die Streitigkeiten, welche die Talleute vor dem Talgericht austrugen.
Die Nidwaldnerin Barbara Barmettlen war um 1600 regelmässig vor dem Talgericht Klägerin oder Angeklagte. Sie war die Schwiegertochter des Engelberger Gerichtsvorsitzenden Melcher Matter – und es waren gerade die Streitereien mit ihrem Schwiegervater, aufgrund derselben sie so oft vor Gericht erschien.
Die Engelberger Talgerichtsprotokolle, in die alle Gerichtsgeschäfte eingetragen wurden, erzählen viel über die Konflikte zwischen den Engelberger Talleuten. Gleichzeitig geben die Protokolle Einblick in die Auseinandersetzungen zwischen den Talrichtern, dem Abt – und dem benachbarten Stand Nidwalden. Je nach Streitgegenstand war der „service public“ des Gerichts für die Talleute mehr oder weniger attraktiv. Je nachdem, über wieviel Macht der Abt, die Talrichter oder die benachbarten Kantone gerade verfügten, nahmen die Talleute das Gericht mehr oder weniger oft zur Regelung ihrer Probleme in Anspruch.
Dank der Überlieferung auch der kleinen und unspektakulären Gerichtsfälle vor dem Engelberger Talgericht – bspw. Barbara Barmettlens Streitereien mit ihrem Schwiegervater – und dank den teilweise heftigen Auseinandersetzungen zwischen Abt, Talrichtern und benachbarten Orten – bspw. Nidwaldens Streitereien mit dem Abt – können wir heute viel Aufschlussreiches und Überraschendes daüber erfahren, wie ein vormodernes Staatswesen um 1600 in der Praxis funktionierte.

 

 

 

 

 

 
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