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Kultur- und Wanderreise in die Extremadura 2010 (12)

Die selbst  auf einem Hügel erbaute Stadt Jerez de los Caballeros

Jerez ist altes Siedlungsgebiet. Schon die Kelten haben hier Spuren hinterlassen, dann die Phönizier, die Römer und schliesslich die Westgoten. Im 8. Jahrhundert stiessen die Mauren in dieses Gebiet vor und beherrschten es bis zur Rückerobe-rung durch Alphons IX. Als der Templerorden 1312 aufgelöst wurde, widersetzten sich seine Mitglieder hier dem erzwungenen Beschluss, was einigen von ihnen den Tod brachte.

Danach ging die Vogtei zuerst in königliches Eigentum über, 1370 in den Besitz der Santjago-Ritter. Unter ihnen nahm sie einen gewaltigen Aufschwung (bevölke-rungsmässig, wirtschaftlich und kulturell). Schon bald hören wir von zwei Kirchen (Santa María und San Bartolomé) und von zwei Schulen. Auch scheint der Ort von einer Mauer umgeben gewesen zu sein; jedenfalls ist schon im 15. Jahrhundert von sechs Toren die Rede. Nach dem Tod des letzten Grossmeisters des Santjago-Ordens vereinigte Papst Hadrian IV. dieses Amt mit der spanischen Krone. Im Gefolge dieser Übertragung erhob Karl I. den Ort 1525 zur Stadt. Sie blühte an-fänglich weiter. Ab 1600 setzte aber allmählich ihr Niedergang ein. Darüber hinweg täuschen können auch die verschiedenen schönen Bauwerke nicht, die hier noch im 17. und 18. Jahrhundert gebaut wurden. Zu erneuter Blüte kam Jerez erst wieder nach dem Ende des Franco-Regimes.

 

 Blick in die hügelige Weite vom Castillo der Templer aus.

Das Castillo stammt aus dem 13. Jahrhundert. Es wurde von den Templer-Rittern anstelle einer einfachen maurischen Alcazaba errichtet, von der sich aber keine sichtbaren Reste erhalten haben. Zwei Türme des Kastells verdienen eine beson-dere Erwähnung: die Torre del Reloj (Uhrenturm), die einen der Aufgänge bewacht, und die Torre Sangrienta. Diese bekam ihren blutigen Namen, weil darin die er-wähnten Ritter des Templerordens geköpft wurden, die sich dem päpstlichen Be-schluss der Aufhebung widersetzt hatten. Die zinnenbewehrte Burg und ihr Garten ziehen viele Besucher an.- Von der ursprünglichen Stadtbefestigung haben sich nur zwei Tore erhalten: die Puerta de Burgos im Osten und die sogenannte Puerta de la Villa im Westen der Altstadt.

Die Puerta de Burgos, ein verhältnismässig einfacher Torbau

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten zählen verschiedene Kirchen. Die Iglesia de Santa María de la Encarnación (15./16. Jahrhundert) ist die älteste Kirche der Stadt und wurde als dreischiffiger Bau mit Apsiden im gotischen Stil errichtet. Hän-gekuppeln über kreuzförmigen Pfeilern schliessen die Schiffe oben ab. Aussen fällt der abrupt endende, massive Turm und die feingliedrige Kuppel über der Vierung aus dem 18. Jahrhundert auf. Im Innern stammt der Chor wie die Magdalenenkapel-le ebenfalls aus der Barockzeit. Aus einer Vorgängerkirche hat sich eine Säule mit einer Bauinschrift aus westgotischer Zeit erhalten.  

Iglesia de Santa María de la Encarnación

Der Grundstein für die Iglesia de San Miguel an der Plaza de España wurde zwar noch am Ende des 14. Jahrhunderts gelegt, doch dann zogen sich die Arbeiten dahin und das Gotteshaus wurde erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts vollendet. Um diese Zeit erhielt der Turm seine elegante reiche Rokoko-Form über einem ho-hen Sockel aus Natursteinwerk: die Arbeit des einheimischen Juan Alfonso de La-dera in den Jahren 1749 bis 1756. Eleganz besitzt auch die Fassadengestaltung samt ihren besonderen Balustradenbekrönungen. Jedes der drei Tore gehört einer anderen Zeit an: das rechte Seitentor stammt aus der Gotik, das Hauptportal (Por-tada del Perdón) aus der Renaissance und das linke Seitentor aus dem Barock.

Das Innere ist einmal mehr eine Hallenkirche mit drei Schiffen zu vier Jochen. Kompositpfeiler tragen die Tonnengewölbe, die in den Seitenschiffen von Stich-kappen durchsetzt werden. Die Kuppel in der Vierung und die stirnseitigen Kapel-len sind barock ausgekleidet. Von der Innenausstattung ragen die Steinmetzarbei-ten im eigentlichen Chor und der Retabel des Hochaltars besonders heraus.

Iglesia de San Miguel mit barockem Turm und balustradenähnlicher Dachbekrönung

Das beliebteste Fotosujet stellen indessen der farbenfrohe Turm und die bewegte Hauptfassade der Iglesia San Bartolomé am gleichnamigen Platz dar. Die ur-sprüngliche Kirche entstand im 15. Jahrhundert (eine Kapelle hat sich im Innern aus dieser Zeit erhalten), wurde aber schon im 16. Jahrhundert erweitert und verschö-nert; den letzten Schliff bekam sie im Rokoko.

Das Innere besitzt wiederum drei Schiffe und eine Kuppel. Doch das Hauptschiff ist hier nicht nur breiter, sondern grenzt sich auch mit Rundbögen und Gebälkzone deutlicher als bei den beiden andern Kirchen von den Seitenschiffen ab. Das Ton-nengewölbe des Hauptschiffes (die Seitenschiffe schliessen Kreuzrippengewöl-be) wird durch Gurten gegliedert. Mit den Pfeilern zusammen betonen diese die Horizontale, während das umlaufende Gebälk die Vertikale markiert, ein typisches Motiv der Renaissance.

Das Äussere wird vom reichen Turm- und Fassadenschmuck dominiert. Der Turm wurde 1759 vom jerezaner Meister Martín Pérez geschaffen und gliedert sich in  mehrere Geschosse. Das unterste besteht aus gehauenen Granitquadern. Kleine Fenster und Terrassen lockern es auf. Gleichzeitig dienen die Schmuckelemente zur Belichtung des Treppenaufgangs im Innern. Im zweiten Geschoss ist das Mauerwerk des Turms durch Schalllöcher stark durchbrochen. Hier beginnt auch der reiche Schmuck aus rötlichen Stuckelementen und blau bemalten Tonkacheln. Im dritten geht die Grundform vom Quadrat in einen Kreis über. Einmal mehr er-innern Schmuck und Gestaltung an die Giralda in Sevilla. - Noch reicher zeigt sich die Hauptfassade der Kirche, die wohl der gleiche Künstler geschaffen hat. Stil und Kunsttradition sind denn auch hier von Sevilla beeinflusst. Ihr Aufbau hat die Form eines Dreiecks in drei Ebenen. Zuunterst sind um das Hauptportal je ein korinthi-sches Säulen- und ein Pilasterpaar postiert, die eine Gesimszone voller Bewegung tragen. Den seitlichen Abschluss bilden zwei Heiligen-Darstellungen aus blauen Azulejos. Dieser Aufbau wird in der zweiten Ebene wiederholt; den Platz des Por-tals nimmt hier ein vergittertes Fenster ein. In der obersten Ebene steht eine Nische im Zentrum mit dem Standbild Ferdinand III., des Heiligen, von zwei Pilastern flan-kiert. Alles umspielt ein reiches Dekorwerk als Schmuck. Die vier Azulejos-Bilder stellen die Heiligen Franz von Assisi, Antonius von Padua, Antonius Eremita und Diego von Alcalà dar. - Einen grossen Kontrast dazu bildet das im Stil der Renais-sance gehaltene, giebel-bekrönte klassische Portal auf der rechten Seite der Kirche.

Hauptfassade und Turm von San Bartolomé

Schliesslich ist noch die Iglesia de Santa Catalina zu nennen, ein ursprünglich spätgotischer Bau, der im 16. und im 18. Jahrhundert verschiedene Veränderungen erfuhr. Das einschiffige Innere ist in drei Joche mit Kreuzrippengewölben unterteilt. Es beherbergt bemerkenswerte Altäre mit Bildern verschiedener spanischer Maler. - Der barocke dreigeschossige Turm ist der wohlproportionierteste von ganz Jerez, ein Werk des uns schon einmal begegneten einheimischen Künstlers Juan Alfonso der Ladera (Mitte 17. Jahrhundert).

Erwähnenswert sind aber auch einige Palacios, wie jener von Juan Martínez de Logroño, Marqués de Rianzuela oder Guzmanes, aber auch das Hospital de Prob- res, die Antigua Casa Consistorial bzw. der Palacio de Lastra. Daneben sei aber auch auf die einfacheren Häuser und Gebäude aufmerksam gemacht, welche den verschiedenen Gassen und Gässchen der Stadt eine gewisse Eleganz verleihen.

Calle bonita in Jerez de los Caballeros

 
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