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Kultur- und Wanderreise ins südliche Kastilien (2)

Dienstag, 17. April 2012
 
La Catedral 

Die Kathedrale ist ausser der Himmelfahrt Mariens auch dem Heiligen Frutos geweiht, einem spanischen Eremiten, der sein Leben in Gebet und Busse verbracht hat. Er lebte von 642 bis 715. Der Legende nach soll er Christen aus Segovia vor den Mauren in Sicherheit gebracht haben, in dem er hinter sich und den Flüchtenden mit seinem Stab auf den Boden geklopft hat, worauf sich eine tiefe Schlucht auftat, welche die Mauren nicht zu überschreiten vermochten. - Sankt Frutos ist nicht nur Patron der Kathedrale, sondern auch der Stadt und der Diözese.

 

Blick auf die beiden barocken Kuppeln der sonst spätgotischen Kathedrale

Die Kathedrale setzt mit ihrem 88 Meter hoch reichenden Fassadenturm - ursprünglich war er 105 Meter hoch - einen starken Akzent (1620 von Pedro di Brizuela vollendet). Sie entstand als eine der letzten Gotteshäuser im Isabell-inischen Stil auf Anordnung König Karls I. (Kaiser Karl V.), der ein Enkel von Isabella war. Nötig geworden war der Bau, weil der romanische Vorgänger beim Aufstand der Comunidades 1520/1521 zerstört worden war. Letztere beschossen von Kathedral-Turm die königstreuen Truppen im Alcázar, die sich dorthin zu-rückgezogen hatten. Darauf eröffneten die Anhänger Karls I. ein Kanonenfeuer auf die Kirche und zerstörten sie weitgehend.
Der Bau des heutigen Gotteshauses, der «Dame unter den spanischen Kathedralen», dauerte bis ins 18. Jahrhundert. Juan Gil de Hontañón, der Baumeister der Neuen Kathedrale in Salamanca, entwarf die Pläne. Nach seinem frühen Tod (1526) führte dessen Sohn Rodrigo die Arbeiten in Segovia weiter. Doch auch er sollte die Vollen- dung nicht erleben. Den von Rodrigo begonnene Poly-gonalchor vollendete erst sein Nachfolger Pedro de Brizuela im Jahre 1614. Juan de Mugagurén setzte wenige Jahre später der Vierung eine Kuppel auf, die 1685 noch eine Laterne erhielt, wodurch sie zu einer Höhe von 67 Metern anwuchs. Trotz dieser langen Bauzeit (Weihe 1738) wirkt die Kathedrale als ein geschlossener Komplex, gestuft über Seiten- und Kranzkapellen sowie dem Chorumgang. Un-geachtet der Höhen von Turm und Kuppel sowie der zahlreichen Filialen dominiert nicht die Vertikaltendenz das Bauwerk. Der Grund dafür liegt darin, dass das go-tische Strebesystem in den Kapellenmauern versteckt ist und auch die umlau-fenden Mauerbrüstungen mehr die Horizontale betonen.



Blick ins Innere der Kathedrale

Das Innere (105 m lang, 50 m breit und 33 m hoch) erscheint als weites Raumgefüge. Doch wird dieser Eindruck durch den für die Kanoniker eingebauten Coro (gotisches, mit Masswerk überzogenes Chorgestühl um 1480 von Martín Sánchez, aus der alten Kathedrale stammend; marmorner Abschluss von 1784 im klassizistischen Stil) optisch gestört. Auf drei Seiten umgibt ein Kranz von Kapellen das dreischiffige Bauwerk. Der zweigeschossige Wandaufbau der Schiffe mit seinen hochreichenden Scheidbögen sowie die profilierten Stützen, denen übergangslos Zierrippen für Sternen- und Netzgewölbe entwachsen, betonen die Vertikale. Der Höhendrang wird jedoch durch die dezent an den Pfeilern angebrachten Zierringe sowie durch die auch im Innern durchgehende  Mauerbrüstung abgeschwächt Beachtung verdienen die Glasfenster um 1545, deren Restaurierung in einer Sei-tenkapelle dokumentiert wird und die noch Jahre in Anspruch nehmen wird. Als wei-tere Kostbarkeit ist der Beweinungsaltar in der Capilla de Piedad zu nennen, eine Arbeit von Juan de Juni aus dem Jahre 1571. Sie stellt das Hauptwerk des zweiten grossen spanischen Bildhauers des 16. Jahrhundert dar.



Der malerische Kreuzgang, um 1480

Gegenüber dem Zutritt der Kathedrale liegt der Eingang zum Kreuzgang. Wie schon das Chorgestühl stammt auch er von der alten Kathedrale. Er wurde Stein für Stein ab- und am neuen Standort wieder aufgebaut. Architekt war kein Geringerer als Juan Guas, der als erster Baumeister im Isabellinischen Stil Werke geschaffen hatte. Der Kreuzgang zeigt sich den auch ganz in der flämisch-flamboyanten Tradition. Die spitzen Bögen der Arkaden sind von geschwungenem Masswerk gefüllt, das Gewölbe von Kreuzrippen gestützt. Die filigrane Verkleidung bewirkt eine stim-mungsvolle, mit Licht und Schatten spielende Atmosphäre. - In den Nebenräumen des Kreuzgangs ist das Kathedralmuseum untergebracht, das vor allem Gemälde, liturgische Geräte und Wandteppiche zeigt. Der Kapitelsaal ist mit einer vergoldeten Artesonadodecke aus dem 17. Jahrhundert ausgestattet. Der Künstler der gezeigten Serie von flämischen Tapisserien, Gerard Peemanns, liess sich von Vorlagen aus der Rubens' Werkstatt inspirieren.

El Alcázar

Die Burg zählt neben dem römischen Aquädukt und der Kathedrale zu den drei bekanntesten Kunstdenkmälern der Stadt. Strategisch gut liegt sie am Ende des schmalen Berggrates und ähnelt von dessen Fuss aus gesehen einem Schiff. Hier soll seit Siedlungsbeging ein befestigter Platz bestanden haben. Sicher ist, dass zur Zeit der Mauren an dieser Stelle eine Burganlage stand, die Alfonso VII. im 11. Jahrhundert vergrösserte. Alfonso X. hat sie im 13. Jahrhundert zum königlichen Wohnsitz ausge- baut, was sie bis zu den Zeiten Philipps II. blieb. Danach diente sie zuerst als Staatsgefängnis, im 18. Jahrhundert als Artillerie-Akademie. Ein verheerender Brand im Jahre 1862 beschädigte die Anlage weitflächig und liess Ausstattung und Einbauten weitgehend ein Raub der Flammen werden.
Der Alcázar zeigt sich von Aussen als ein aus verschiedenen Körpern zusammen-gesetzter Bau. Seine Wände sind in den zwei Innenhöfen (Patio del Reloj und Patio de Armas) mit Stuckornamenten aus der Herrera-Zeit geschmückt. Spitze Hauben schmücken die verschiedenen Rundtürme, zwölf zylindrische Erker-Türmchen den Torre de Homenaje, der mit seinem Schmuck (Kreisornamentik im Verputz, Zinnen und drei Skulpturen gegen die Stadt hin die Funktion einer Eingangsfassade  über-nimmt. Durch ihre aus verschiedenen Epochen zusammengewürfelten Gebäude, die durch Burggraben und kleiner Ringmauer zu einer Einheit zusammengehalten wer-den, wirkt die Anlage sehr malerisch.
Seit 1882 und verstärkt nach dem Bürgerkrieg 1939 hat man das Innere der Burg nach Zeichnungen, die vor dem Brand erstellt worden sind, im Stil der maurisch geprägten Spätgotik rekonstruiert. Dabei bemühte man sich, das Verlorene durch Originale aus anderen spanischen Orten zu ersetzen. Dies waren vor allem Ausstat-tungsstücke im Mudéjar-Stil (Yesería- und Azulejo-Wanddekor) sowie geschnitzte hölzerne Artesona- do-Decken, aber auch Türen und Mobiliar. Ausser der wieder-erstandenen Schauräu- men beherbergt der Alcázar heute auch ein Waffenmu-seum. Von der Plattform des Torre de Homenaje aus hat man einen wundervollen Blick auf den grünen Gürtel, den Segovia umgibt.



Blick auf den Alcázar, vom Norden aus


Iglesia San Justo
 
Segóvia besitzt fast zwei Dutzend romanische Kirchen, die aber mit wenigen Ausnah- men nur selten zugänglich sind. Eine Ausnahme stellt die Saalkirche San Justo in der Unterstadt dar. Sie ist allerdings nicht um ihrer Architektur willen etwas besonderes, sondern wegen der vollständigen Ausmalung ihres Chores um 1200, die als ein seltenes Beispiel hochmittelalterlicher Wandmalerei für Kastilien am Ort verblieb. Entdeckt wurde sie im Jahre 1964.
In der Apsis sehen wir Christus als Pantokrator in der Mandorla über den zwölf Aposteln thronen. Das tonnengewölbte Joch im Vorchor zeigt ihn als Lamm Gottes zwischen Szenen der Passion: Letztes Abendmahl, Verrat von Judas, Kreuzigung und Kreuzabnahme.



Iglesia San Justo, Der Judaskuss, Wandmalerei, 13. Jahrhundert


Convento San Antonio el Real

Das Kloster wurde 1455 von König Heinrich IV. an der Stelle eines alten Palasts gegründet und den Franziskanerinnen übergeben. Gleichzeitig diente es ihm als Rückzugsort. Das Äussere ist im Isabellinischer Gotik gehalten. Der Kreuzgang im Innern aus Backstein trägt die Farben weiss und rot. Das Innere ist reich mit wunderbarem Täfer im Mudéjarstil und mit Artesonadodecken ausgestattet. Zu-sammen mit Tafelbildern und anderen Kunstwerken lassen sie die Räume (z.B. Refektorium) grosszügig und prächtig erscheinen. Der königliche Gönner ist stets präsent. Heute wird das Kloster museal und als Hotel genutzt.



Detail der Decke im Refektorium des Klosters San Antonio el Real


Iglesia San Juan de los Caballeros

Die romanische Kirche stammt aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Sie besitzt drei Schiffe (die durch Bögen, welche auf Säulen aufliegen, voneinander abgetrennt sind) und ein Querschiff mit Vierung sowie einen Turm, der entweder nie fertiggestellt wurde oder eingestürzt ist. Der Bau schliesst stirnseitig mit drei Apsiden. Der Ein-gangsbereich wird durch eine von Säulen getragene Vorhalle geschützt, ein Bau-element, das wir in Segovia immer wieder antreffen. Sie ist äusserst reich mit Skulpturen ausgestattet.
Seit 1974 dient die Kirche als Museum. Ausgestellt sind die von den Künstlern der Familie Zuloaga geschaffenen Werke. Zu sehen sind Malereien von Ignacio Zuloaga (1870-1945) sowie Ölbilder, Aquarelle und Keramiken von Daniel Zuloaga (1852-1921) und ihren Söhnen. Ignacio und Daniel sind in ihren Arbeiten stark der Tradition verpflichtet.



San Juan de los Caballeros


Museo de arte contemporaneo Esteban Vicente

Das Museum befindet sich in einem historischen Gebäude, das König Heinrich IV. 1455 errichten liess und 1518 in ein Spital für ältere Leute umgewandelt wurde. Später übernahm es andere Aufgaben, bis es 1974 wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste. Nachdem man einen Verwendungszweck als Museum gefunden hatte, wurde es von der Stadt instand gestellt und dabei auf die wenigen historischen Überreste Rücksicht genommen. Architekt war Juan Ariño, der auch den modernen Anbau für das Museum realisierte.



Museo de arte contemporaneo Esteban Vincente, Alt- und Neubau

Esteban Vicente (1903-2001) war der erste unter den spanischen Künstlern, der sich mit der New Yorker Schule des Expressionismus auseinander gesetzt hat. Im Museum sind seine Ölbilder, Collagen, Aquarelle, Skulpturen und Lithografien zu sehen. Ausser den Werken von Vincente werden auch temporäre Ausstellungen von anderen zeit- genössischen Künstlern gezeigt. Das Museum hat am Mittag bis 14 Uhr sowie am Abend bis 19 Uhr offen.

 
 Esteban Vincente, Ohne Namen, 1964


Iglesia San Esteban

Die romanische Basilika stammt aus dem 13. Jahrhundert. Das südschiff der im Innern 1723 barockisierten Kirche wird von einem Atrium mit Säulenarkaden flankiert. Der ro manische Glockenturm (um 1220) erreicht in sechs Geschossen mit Blend- und Schallarkaden  die stattliche Höhe von 53 Metern. Er trägt den Ehrentitel: «reina de las torres españolas» (Königin der spanischen Türme). Das Innere der Kirche ist nicht zu besichtigen.



«Die Königin der spanischen Türme», San Esteban


Iglesia San Martín

Bis ins 12. Jahrhundert stand hier ein mozarabisches Gotteshaus, dann wurde um 1140 mit dem jetzigen Bau begonnen. Ursprünglich war er an Drei Seiten (ausser de der Chorseite) von Vorhallen umfasst, in denen weltliche Zusammenkübfte statt-fanden. Die Kapitelle der verdoppelten Arkadensäulen zeigen unter anderem neutestamentliche Szenen (Verkündigung, Reise nach Bethlehem, Darbringung im Tempel, Erweckung des Lazarus, Letztes Abendmahl, Gefangenahme). Am Portal sehen wir die Propheten  Moses und Jesaias sowie die Apostel Petrus und Paulus. Die Haupt-Apsis hatte im 17. Jahrhundert anlässlich der Barockisierung des Innern einem grösseren Chor weichen müssen. Aus dieser Zeit stammt auch der eigenwillige Turmhelm.



Apostelfürsten am Portal von San Martín
 
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