Zur Startseite...

 

   

Kultur- und Wanderreise ins südliche Kastilien (3a)

Mittwoch, 18. April 2012
 

Wandern durch Wald und offenes Land


Nach dem gestigen Stadttag rückt heute die Natur vernehrt ins Zentrum, und zwar sowohl die unberührte Landschaft als auch den von Menschenhand inszenierten und geschaffenen Park.
Schon von Segovia aus, oder aber auf der heutigen oder morgigen Fahrt lohnt sich ein Blick auf den über zehn Kilometer langen Bergzug der Sierra Guadarrama werfen, «Mujer Muerta» genannt, der an den höchsten Stellen eine Höhe von über 2000 Metern ü. M. erreicht. Mit etwas Fantasie lässt sich  die «Mujer Muerta» erkennen: die  liegende Frau, schlafend oder tod, den Kopf mit einem Schleier bedeckt, die Hände vorne übereinander gelegt.



Der Bergzug «Mujer Muerta», links sind Kopf, in der Mitte die Hände erkennbar

Um den Namen dieses Bergzugs ranken sich viele Sagen, eine von ihnen sei hier ausgeführt. Danach waren einmal zwei junge Ritter, die sich in die gleiche hübsche Frau verliebt hatten. Als keiner von den zweien von ihr lassen wollte, beschlossen sie, den Entscheid in einem Zweikampf auszutragen. Als die Frau vom Kampf auf Leben und Tod erfuhr, eilte sie herbei und warf sich zwischen die zwei Ritter, um sie von ihrem Tun abzuhalten. Doch geschah dies genau an einem Zeitpunkt, als die Männer gleichzeitig mit dem Schwert aufeinader los stachen. Statt den Gegner tra-fen sie ihre Geliebte, die sofort tod war. Am Abend - und damit enden alle Sagen - begann ein gewaltiger Sturm zu toben, er liess nicht nach, bis er im nahen Gebirgs-zug, Grat und Flanken mit Blitz, Hagel und Wind so bearbeitet hatte, dass die Züge der toten Frau als bleibendes Denkmal dort sichtbar wurden. 
Nach kurzer Fahrt beginnen wir mit der Wanderung. Sie führt uns knapp vier Kilometer am Ufer des Rio Eresma entlang; der Weg geht teilweise durch den Wald, teilweise durch offenes Land,. In Valsaín machen wir einen Halt. Dann verlassen wir den Fluss, um uns durch Pinienwälder in Richtung San Ildefonso auf den Weg zu machen. Dort erreichen wir den Endpunkt der Wanderung, die ungefähr zwei Stun-den dauert. Sicher werden wir uns dabei an verschiedenen Blumen und am Gezwit-scher der Vögel erfreuen.



Romantischer Rio Eresma in der Nähe des Dorfes Valsaín

Palacio Real Riofrío

Rund 625 Hektaren Steineichenwald umgeben den Palacio Riofrío, der anders als sonst üblich nicht in einem künstlich angelgeten Park steht; dafür ist der Boden hier viel zu karg. Sobald der engere Schlossbereich zu Ende geht, beginnt der Wald, der gleichzeitig als Wildgehege genutzt wird. Wenn wir Glück haben, erblicken wir wäh- rend unseres Aufenthalts einige Rehe oder Hirsche.
Der Palast liegt auf einem Hügelrücken, was eine schöne Rundsicht erlaubt. Er wurde ab 1751 auf Veranlassung der Königinwitwe Isabella Farnese geplant. Sie wünschte sich einen Alterssitz, um dem neuen König Ferdinand VI. - ihrem Stief-sohn - aus dem Wege gehen zu können. Gleichzeitig versuchte sie mit dem Palast, ihrem jüngsten Sohn, Luis, zu einer Residenz zu verhelfen. Der unerwartete Tod König Ferdinands (1759) führte aber dazu, dass sich Elisabeths Position in der Königsfamilie wieder besserte. Ihr ältester Sohn Karl III. wurde Nachfolger Ferdi-nands und sie kehrte darum wieder nach Madrid zurück.



Palacio Riofrío
Die Entwürfe für das Schloss stammen vom Tessiner Architekten Vigilio Rabaglio (1711-1800) aus Gandria, der seit 1737 im Dienste der spanischen Bourbonen stand. Der Palacio Riofrío gilt als eines seiner Hauptwerke. Mit den Bauarbeiten begann man 1752 und beendete sie nach Unterbrüchen im Jahre 1766.
Der vierflügelige Palast erinnert in seinen Proportionen an den Palacio Real in Madrid, ist aber in seiner Dekoration jedoch schlichter gehalten. Vom Ehrenhof wurde nur gerade der östliche Seitenflügel gebaut. Die Fassaden ähneln mit ihrer Ebenmäßigkeit dem Palazzo Farnese, dem römischen Stammsitz der Farneses. Der Palacio steht in exponierter Lage und der der von Arkaden umsäumte, Innenhof war in den heißen Sommern ein beliebter Aufenthaltsort.



Interieur: einer der vielen Säle

Stilistisch ist der Bau dem italienischen Barockstil zuzurechnen. Er besitzt einen quadratischen Grundriss und vier gleiche Fassaden, von denen jede 84 Meter lang ist. Ihre Farben (grün, weiss, rot) sind nicht als Hinweis auf die italienische Nationalität der Königin zu verstehen, da die Tricolore erst 1797 das erste Mal auf der apeninnischen Halbinsel Hoheitszeichen wurde.
Der Palast kann im Inneren mit prunkvollen Paradezimmern und Festsälen aufwarten, doch auch die Privaträume der Bourbonen sind erhalten. Besonders erwähnenswert ist die grosse Treppe und die Kapelle mit ovalem Grundriss. Da das Schloss über viele Jahrzehnte immer wieder bewohnt wurde, weist es eine Einrich-tung aus verschiedenen Epochen auf. Zudem ist hier auch ein sehneswertes Jagd-museum untergebracht.



Korridor


Palacio Real de San Ildefonso (La Granja)

Geschichte
An der Stelle des heutigen Palacios befand sich seit dem späten Mittelalter eine kleine Wallfahrtskapelle, die dem Heiligen Ildefons (span. „San Ildefonso“) geweiht war und vom Hieronymitenorden betreut wurde, der hier ein Priorat unterhielt. Dazu gehörte auch ein Landhaus (span. granja), in dem König Philipp V. übernachtet hat. Dabei verliebte er sich in die Landschaft. Kurzentschlossen kaufte er 1720 den Mönchen das Priorat mit dem dazugehörenden Besitz und das Landhaus ab und begann mit den Planungen für den Bau eines Schlosses samt Parkanlage.
Anfangs wurde ein einfacher vierflügeliger Palacio errichtet, der durch den Maler und Architekten Teodoro Adremáns (1661-1726) ausgeführt wurde. Darin wurde die künf- tige Schlosskirche rückwärts zum Corps de Logis integriert, wodurch sie in die der Gartenseite gegenüber liegende Fassade eingebunden war. 1723 waren die Arbeiten vollendet, das Königspaar konnte die neue Residenz beziehen. Doch bereits 1724 schien dem König der neue Palast zu klein. Ab 1727 wurden darum insgesamt vier Flügel angefügt - je zwei links und je zwei rechts vom Hauptgebäude (Baumeister waren die Italiener Andrea Procaccini und Sempronio Subisati). Die Breite des Schlosses erweiterte sich dadurch auf 153 Meter. Im Grundriss bekam das Ge-bäude die Form eines großen H. Die durch die neuen Anbauten entstehenden Ehrenhöfe wurden gemäß ihrer Nutzung, bzw. ihrer Form als Kutschenhof bzw. als Hufeisenhof bezeichnet.



Auffahrt zum Palacio Real de San Ildefonso

1735 wurde der italienische Architekt Filippo Juvarra (1678-1736), ein Schüler Carlo Fontanas, an den spanischen Hof beordert. Hier begann er mit der Neubau des durch einen Brand zerstörten Palacio Real in Madrid sowie mit der Überarbeitung der Fassaden für das Schloss von La Granja, denen er das heutige Aussehen gab. Nach dessen Tod vollendete Giovanni Battista Sacchetti (1690-1764) die Arbeiten.
Der Schlossbereich wurde in den folgenden Jahrhunderten ständig umgebaut, erwei- tert, vergrössert und mit neuen Möbeln ausgestattet. Der Palacio war immer wieder durch die Bourbonen bewohnt und gehörte lange Zeit zu den beliebtesten Resi-denzen des Königshauses. Bedingt durch seine Lage in mehr als 1200 Meter Höhe waren die Sommer hier frischer als im sengenden Madrid.
Heute dient der Palst als Museum, in dem umfangreiche Kunstschätze der spa-nischen Könige zur Schau gestellt werden. Besonders bekannt ist das Schloss für seine bedeutende Gobelinsammlung.

Fassaden
Eine aus Säulen und Pilastern gebildete Kolossalordnung sowie Karytadiden als Allegorien auf die vier Jahreszeiten und Protraitsmedaillons der beiiden Bauherrn bil- den die beherrschenden Momente der rückwärtigen Gartenfassade. Auf der Vorder- seite überrascht die konvexe Doppelturmfassade der Schlosskirche, welcher die Salzburger Liebfrauenkirche des Johann Fischer von Erlach Pate stand. Francesco Sa- batini hat ihr 1756 diese Form gegeben.



Fassade Gartenseite mit der Kolosalordnung

Inneres
Im Innern verdienen im Erdgeschoss die Galerie der Skulpturen mit den nach mythologischen Themen ausgeschmückten Decken von Bartolomé Ruscha sowie der Marmorsaal besondere Erwähnung; im ersten Stock erfreuen die Galerie mit den offiziellen Räumen (reiche Marmorböden, Möbel und sehr schöne Deckenfresken) das Auge, aber auch die reiche Ausstattung etwa des Japanischen Saals. wand- und Deckenfresken sowie die Stuckarbeiten stammen meistens von spanischen Künstlern des 18. Jahrhunderts, wäjrend bei den Möbeln und anderen Ausstat-tungsstücken das 19. Jahrhundert vorherrrscht.



Saal im Erdgeschoss des königlichen Palastes

Schlosskirche
Sie besitzt als Grundriss ein lateinisches Kreuz. Die Vierung zeichnet eine Kuppel aus. Die Kuppel und die Gewölbe waren mit Fresken geschmückt, fielen aber einem Brand zum Opfer. Auch die Stuckaturen wurden dabei beschädigt. Trotzdem kann man im Innern zahlreiche Kunstwerke besichtigen, unter anderem auch die Grab-mäler von Philipp V. und seiner Gattin Isabel Farnese.

Gartenanlage
Der ausgedehnte Park zählt zum Schönsten vom Palacio Real. Mit seinen 145 Hek- taren Fläche ist er grösser als sein Vorbild in Versailles. Begonnen mit den Gelände-verschiebungen und dem Anlegen von Wegen Strassen und Plätzen in einer Länge von 35 Kilometern wurde 1721. Der Entwurf stammt von René Carlier. Nach seinem Tod 1722 übernahm Esteban Boutelou, Gartenarchitekt in Aranjuez, die Leitung der Arbeiten, die 1728 abgeschlossen werden konnten.



Schlafzimmer der Königin im Palacio Real de San Ildefonso

Die Gartenanlage ist streng nach gemotrischen Mustern angeordnet. Trotzdem wirkt er, weil er einen hohen Baumbestand aufweist, wie ein labyrintischer Wald. Neben vielen kleinen sind darin 26 monumentale Brunnen verteilt. Überall sind Skulpturen zu finden, die oft Tiere und Kinder darstellen. El Mar (das Meer), ein künstlicher See, aus dem das Wasser in alle Brunnen fliesst, ist , befindet sich mitten in der Anlage. Besondere Beachtung verdient die Gran Cascada (Grosse Kaskade). Sie liegt vor der Haupt-fassade des Palacios und besteht aus zwölf Becken, die als allegorische Darstellun- gen der Erteile und der vier Jahreszeiten sowie der drei Grazien geschaffen sind. Im weiteren sind zu nennen: die Carrera de Caballos (Pferderennen) mit den Fontänen Los Caracoles (die Schnecken) und El Abanico (Fächer), den Neptun-. den Apollo- und den Andromedabrunnen, Las ocho Calles (die acht Strassen) mit Statuen von Saturn,, Minerva, Herkules, Ceres, Neptun, Victoria, Mars und Kybele, La Fama (der Ruhm) und Los Baños de Diana (das Bad der Diana), Latona (eine römische Göttin) und Las Ranas (die Frösche).
Die Gartenplastiken sind aus weissem Marmor, die Figurengruppen der Brunnen hingegen aus Bronze und Blei. Geschaffen haben die Skulpturen vor allem die beiden Franzosen Jean Thierry (1669-1739) und René Fremin (1672-1742).
 
» zurück
 
 
 
 
 
Historischer Verein Nidwalden c/o Staatsarchiv, Stansstaderstrasse 54, 6371 Stans, info@hvn.ch, www.hvn.ch  
created by IAG die web-macher