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Kultur- und Wanderreise ins südliche Kastilien (3b)


Versailles-Park in Spanien
 

Ein bezaubernder Ort

«Erst ist es nur ein Gurgeln. Dann plätschert es. Da! Plötzlich schiesst ein Schwall Wasser aus dem Maul des Bronzefisches. Noch wenige Augenblicke, und ein gewaltiges Rauschen, Tröpfeln, Plätschern und Spritzen erfüllt den Park. Dieses kommt aus 496 Springbrunnen und Kaskaden.
Die Wasserspiele, der Garten und der Palast von La Granja de San Ildefonso, elf Kilometer von Segovia gelegen, werden oft mit denen von Versaulles verglichen. Zu Unrecht. Versailles mag zwar das Vorbild dieses Jagdschlosses gewesen sein, das sich Felipe V., der erste Bourbone auf dem spanischen Thron, bauen ließ. Aber seine Wasserspiele sind viel spektakulärer geworden als die in Versailles, sein Park ist mit 145 Hektar ein Drittel größer als der 100-Hektar-Park in Frankreich. Und landschaftlich ist La Granja de San Ildefonso inmitten der schroffen Berge der Sierra de Guadarrama hundertmal schöner gelegen als Versailles im flachen Pariser Becken. Was macht es da, dass der Palast klein und beinahe unscheinbar ist, im Vergleich zu dem großen Vorbild? Es sollte schließlich nur ein Jagdschloss sein.»



Ausschnitt aus dem Poseidon-Brunnen

Figuren erwachen zum Leben

«Sich nach dem strengen Zeitplan der laufenden Röhren zu richten, ist der Mühe wert. Denn das Wasser macht die bewegt gearbeiteten Figuren erst quicklebendig. Es ist, als erwache mit dem ersten Schwall eiskalten Bergwassers eine Armada von göttlichen Allegorien und Tieren aus ihrem bronzenen Schlaf. Wasserspiele: Die Bronzefiguren spielen mit dem Wasser, sie springen und tanzen in ihm. Erst wenn es 30 Minuten später »Wasser, halt!« heißt und der letzte Schwall aus Mündern, Krügen und Wasserchlitzen plätschert, erstarren die Figuren wieder. Der Zauber ist vorbei - still liegen die Becken und Teiche, nur einige Pfützchen am Rande der Brunnen erinnern an das eben beendete Spekatakel. 
Zum 300. Jubiläum der spanischen Bourbonen und zum 25-jährigen Thronjubiläum von Juan Carlos I. wurden Palast - der 1919 bei einem Brand stark beschädigt wurde - und Gärten aufwendig restauriert. Eigentlich sollte der Palast bis zum Ostersonntag 2000 fertig sein, als neuer Termin wurde dann Ende Juni genannt. Da klappte es. Doch auch wenn jetzt das Innere des Schlosses besichtigt werden kann, ein grosser Teil des  Publikums vergnügt sich im Freien.»



Eine Fontäne in voller Aktion

Ein Vergnügen für alle

«Die meisten Brunnen und die Marmorfiguren im Garten sind  restauriert: Sphinxen mit Löwen-, Hirsch- und Frauenleibern bewachen die elfstufige Kaskade vor der Schau-fassade des Schlosses, dazwischen finden sich immer wieder Jagdszenen mit Putten, die unter den fetten Ärmchen einen erlegten Fasan mitschleppen. Im Frühling konkurriert der Charme der weißglänzenden Marmorengel mit jenem der braungelockten spanischen Niños, die von Großfamilien im Kinderwagen durch den Park geschoben werden. Die Oma will ein Foto - Papi hebt sein Schätzchen kurzer- hand aus dem Wagen und setzt ihn in die Stiefmütterchen.
»Oh, mein Engel, lach doch mal« befiehlt der Opa. Schon kommt ein Parkwächter herbei. Kinder in Blumenbeeten? Das geht zu weit. »Die Stiefmütterchen sind schon ganz zerdrückt«, schimpft er. Sein Zeigefinger deutet auf die Stelle, die der Windelpo hinterlassen hat.
Weiter oben an der großen Kaskade wird es grausam: Löwe reißt Wildsau, Hund erlegt Hirsch, dazwischen Neptun, von schnaubenden Rossen im Boot gezogen. Seeungeheuer tauchen neben ihm auf. Drachen speien in Muschelbecken. Kleine Engel reiten auf Rössern. Die Gärten erzählen Geschichten für mehr als tausend-undeinen Spaziergang.



Marmorne Gartenplastiken, noch und noch

Die Düfte dazu kommen von Hunderten von Blumen und Blüten, die in allen nur denkbaren geometrischen Mustern gruppiert sind. Die Rabatten wechseln sich ab mit imposanten Alleen, ein Waldgebiet schließt sich an, dort schlagen Pfaue ihr Rad. Ein wahrlich königliches Vergnügen, durch diesen Park zu wandeln. Zumal sich dort selbst an Feiertagen noch einsame Ecken für ein Picknick im Grünen finden. In spanischen Parks ist es üblich, sich mit oder ohne Decke einfach ins Gras zu setzen. Anweisungen wie »Das Betreten der Grünflächen ist verboten!« gibt es hier nicht, und wenn, dann würde sie sowieso niemand beachten. Ein Wunder, dass La Granja de San Ildefonso von Besuchermassen bisher verschont blieb. Es liegt halt ein wenig abgelegen. Und Versailles ist weit weg. Zum Glück.»



 
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