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Kultur- und Wanderreise ins südliche Kastilien (4a)

Donnerstag, 19. April 2012




Die liebliche Seite der Duratón-Schlucht


Wanderung dem Fluss entlang


Wir fahren heute zum Naturpark Las Hoces del Rio Duratón (gut 5000 Hektaren gross) mit seiner spektakulären Landschaft. Die Wanderung beginnt in der Nähe des Städtchens Sepúlveda. Von da steigen wir hinuter zum Flussbett und wandern in der vom Duratón geschaffenen Schlucht. Sie ist heute Lebensraum für verschie-dene Greifvögel (unter anderem Gänsegeier, Schmutzgeier, Steinadler und Habich-te), die hier in grosser Zahl nisten und brüten. Sie und die Pflanzenvielfalt des Parks locken jährlich sehr viele Besucher an. Einen weiteren Anziehungspunkt bilden die archäologischen und historischen Kulturdenkmäler im Park. Hauptsächlich sind zwei Rundgänge möglich, oben entlang der Bruchstelle der Schlucht und unten entlang des Flusses, dessen Ufer von Weiden, Eschen, Pappeln, Ulmen und Erlen gesäumt wird.
Nach der Legende verdankt die Schlucht ihre Entstehung dem hl. Frutos, dem Patron von Segovia. Denn er hat mit seinem Stock hinter den vor den Mauren flüchtenden Segovianern auf den Boden geschlagen, da öffnete sich die Erde und die Hoces del Rio Duratón entstanden. Die Christen waren gerettet und machten den Verfolgern eine lange Nase. Denn diese vermochten das tiefe Tal nicht zu überwinden, was ein leuchtet, wenn man das Bild mit der Eremitenklause sieht, wo der Heilge bei seinem Wunder gestanden sein soll.




Die Klause von San Frutos, einem Heiligen für aussichtslose Situationen


Das Städtchen Sepúlveda

Spuren von Siedlern in der Umgebung von Sepúlveda reichen bis ins 5. vorchristliche Jahrhundert zurück. Den Kern des heutigen Orts legten aber erst die Westgoten an. Er war lange Zeit umkämpft und wechselte mehrmals zwischen Mauren und Christen die Besitzer, bis er 1010 definitiv an die Christen fiel. Nun begann der Ausbau von Sepúlveda zur Stadt. Dabei wurde sie in der Blütezeit (11. bis 13. Jahrhundert) Zentrum einer Region, die 37 Gemeinden umfasste. 1468 stell-te sich die Stadt auf die Seite der künftigen Könige von Kastillien und Leon (Ferdinand und Isabelle) und gegen Heinrich IV. von Leon, was ihr nicht gut bekam. Die Weiterentwicklung der Stadt begann zu stagnieren. Dies änderte sich bis heute nicht. Die Wohnbevölkerung nimmt ab. Sie lebt zu einem grossen Teil vom Tou-rismus.

    

Gassen in Sepúlveda

Der malerische Ort, dessen Bild von der Romanik geprägt wird, besitzt neben Über- resten der mittelalterlichen Stadtmauer (10. Jahrhundert) mit einzelnen Toren und der ehemaligen Burg (erbaut von Fernán González) verschiedene Kirchen, Paläste und Stadthäuser (Rathaus, Kerker und Stadthäuser). Viele hübsche Details entdeckt man beim Spazieren durch die Gassen, die freilich fast immer ansteigen oder abfallen. Sepúlveda liegt an einem Abhang,



Blendarkaden in der Backsteinapsis der Iglesia Santiago

Die Iglesia El Salvador von 1093 (ein einschiffiger Bau mit halbrunder Apsis und freistehendem Turm) ist die ältste romanische Kirche der Region. Die Iglesia Sant-iago (einschiffig mit Apsis in maurischem Stil und mit Krypta) beherbergt heute den «Park-Point» (centro de Interpretación del Parque Natural de las Hoces del río Dura-tón). Die dreischiffige Iglesia Santos Justo y Pastor (zwei Märtyrer, die im 7. Jahr-hundert in Spanien eine grosse Verbreitung hatten) besitzt ebenfalls ein Krypta, die zwei romanische Skulpturen beherbergt.



Blick auf Sepúlveda


Das Dorf Pedraza

Das Dorf soll der Geburtsort von Kaiser Trajan gewesen sein. Ob es stimmt, ist sehr ungewiss. Einigermassen sicher wird die Überlieferung erst im 12. Jahrhundert, als das christliche Pedraza als Grenzort zu Al-Andalus in den Quellen auftaucht. Die auf einem riesigen Felsblock erbaute Burg wurde erst um 1430 errichtet. Ihre langen Aussenmau- ern lockern  Schiess-Scharten  etwas auf. 1927 hat der Maler Ignacio Zuolaga die Burg gekauft. Heute ist darin ein Museum mit seinen Werken untergebracht.
Ein hübscher Platz ist die Plaza Mayor mit Rathaus, Iglesia San Juan und Häusern mit Säulengängen. Im letzten Jahrhundert wurde das Dorf von Künstlern aus Madrid als typischer kastillischer Ort entdeckt. Er ist vollständig restauriert. Ein Spazier-gang durch die Siedlung mit ihren Gassen und Gässchen lohnt sich. Manch lau-schiges Eckechen gilt es zu entdecken. Entsprechend leben die Bewohner hier vom Tourismus.


Die Iglesia Vera Cruz bei Segovia

Die Kirche wurde 1208 geweiht und trug urspünglich den Namen «Heilig Grab» Als ihr 1226 vom Papst ein Kreutpartikel geschenkt wurde, wechselte sie den Namen zu «Vera Cruz». Als der Orden im 14. Jahrhundert aufgehoben wurde, übernahmen die Johanniter die Kirche. Von diesen um 1700 verlassen blieb sie bis 1949 verlassen. Seither gehört sie dem Malteserorden.
Das Gotteshaus ist mit zwölf Ecken als Zentralbau errichtet worden, wie dies den Vorstellungen des Tempkerordens entsprach. Das Innere bildet eine Rotunde mit zwölf Bögen. In der Mitte befindet sich eine doppelstöckige Miniaturkapelle, wiederum mit zwölfseitigem Grundriss. Unten bilden vier kleine Tore den Zugang. Sie entspreche den Himmelsrichtungen. Eine Doppeltüre führt ins obere Stockwerk hinauf. Der dortige Raum war für die Weihe der Waffen und der neu aufgenommenen Ordensmitglieder bestimmt. Hier wurde auch das Kreuzreliquiar aufbewahrt. Der Hauptaltar besitzt eine romanische Christusfigur und gotische Malereien um 1520. Die Kirche war ursprünglich vollständig ausgemalt, wovon einige erhaltene Fresken Zeugnis geben.
Die Templerkirche, ein einzigartiges spätromanisches Bauwerk, stellt auch deshalb eine besondere Kostbarkeit dar, weil fast alle Gotteshäuser dieses Ordens nach der Aufhebung zerstört worden sind.



Ausschnitt aus dem Inneren der Iglesia Vera Cruz
 
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