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Kultur- und Wanderreise ins südliche Kastilien (6)

Samstag, 21. April 2012


Heute halten wir uns bis zur Rückkehr nach Cuenca in einer wenig besiedelten Berg- region auf, die teilweise Urweltcharakter aufweist: Rote Erde, verlassene Pueblos, hin und wieder versteckt ein Weiler oder ein Dorf und viel Wald begleiten uns während der ganzen Fahrt.

Ciudad Encantada

Mit dem Namen «Verwunschene Stadt» ist nicht etwa eine verlassene Siedlung gemeint, sonder eine Kalklandschaft inmitten eines grossen Kiefernwaldes auf gut 1400 Meter Meereshöhe, rund 30 km von Cuenca entfernt. Es braucht grosse Vor-stellungskraft, um die Gesamtheit der zerstreut herum liegenden Felsen als Stadt mit Häusern und Plätzen zu interpretieren. Freuen wir uns darum mehr an den ein- zelnen Gesteinsformationen, die Wasser, Wind und Regen im Verlaufe von Jahrtau- senden zu interessanten Erddenkmälern werden liess.



Kurz nach dem Eingang überrascht der «tormo alto» (mythischer Fels) die Besucher

Die Menschen der Umgebung haben sich von den Felsen inspirieren lassen und ihnen Tier- oder Sachnamen gegeben. Die meisten von ihnen umschreiben die Ge-steinsformationen treffend oder lassen sich doch gut nachvollziehen, bei zwei oder drei verlangt es Phantasie, um die Begriffe in der Natur zu erkennen; gut, dass alle angeschrieben sind.
Wer dem ausgeschilderten Weg folgt, begegnet folgenden Formationen: Schiffsge-schwader (los barcos), Hund (el perro, Foxterrier), Männergesicht (la cara del hom-bre), Römische Brücke (el puente romano), Delfin mit Ball spielend (la foca) samt Krokodil mit offenem Maul, Türklopfer/Klingelknopf (el llamador), Rutsche oder Hohl-weg (el tobogán), versteinertes Meer (el mar del piedra), Kampf zwischen Krokodil und Elefant (la lucha entre el crocodilo y el elefante), Nilpferd (el hipopótamo), Klo-stereingang (la puerta del Convento), Riesenpilze (los Hongos), Theaterbühne mit Szenerie (el teatro), Schildkröte (la tortuga), Bären (los osos) und zwei Liebende (los amantes de teruel).

    

Römische Brücke und Delfin mit Spielball




Zwei Liebende

 
Wandern zum Quellgebiet des Río Cuervo


Nach der Weiterfahrt erreichen wir den Naturpark «Nacimiento del Río Cuervo». Dieser liegt in einem kalksteinhaltigen Gebiet. Vom Parkplatz für den Bus aus ma-chen wir uns auf den Weg zur Quelle des Flusses, die in der Muela de San Felipe liegt. Anfänglich haben wir eine Steigung (Holztreppen) zu überwinden, danach ver-läuft der Weg weniger anstrengend im Wald, in dem vor allem Pinien, aber auch Linden und Ahorn wachsen. Bachstelzen und Wasseramseln, aber auch Falken und Habichte sind hier mit etwas Glück anzutreffen, ebenso Eidechsen. Und natürlich begleitet uns das Rauschen des Flusses.
Hauptsächlicher Anziehungspunkt des Parkes ist die Quelle des Río Cuervo, eine der schönsten und romantischsten Spaniens. Das Wasser, bisher im Innern des Karst-gesteins geflossen, tritt hier plötzlich aus einer Höhle ans Tageslicht, um kurz darauf kaskadenartig über das Gestein in die Tiefe zu perlen. Dabei setzt es wegen der plötzlich erhöhten Luftzufuhr Kalk ab, was zu Tufsteinbildung führt und Kata-rakte bzw. kleine Becken entstehen lässt. Ein besondere Schauspiel: fast wie in einem Fantasy-Film rieselt nämlich das Nass in silbernen Fäden am moosbewach-senen Gestein herab. Das starke Grün der üppigen Vegetation durchzogen von den Silber-streifen des Wassers fasziniert. Dazu erfüllt stets ein leises Plätschern die Luft. Ein wahrlich fantastischer Ort, um alles hinter sich zu lassen und ein bischen zu Träumen.



«Nacimiento del Río Cuervo»


Embalse de la Tota und Laguna de Uña

Auf der Rückfahrt fahren wir an zwei Seen vorbei, am Stausee bei Tota und an der Lagune de Uña. Beide verdienen sie eine Erwähnung. Sie legen wie die häuffigen Fuenta-Namen Zeugnis davon ab, dass die Serrania de Cuenca ein Wasser-Reser-voir darstellt.
Die beiden Seen liegen idyllisch. Die sie umgebenden Berge verschaffen ihnen ein besonderes Cachet. Wir unterbrechen in Uña ein weiteres Mal die Fahrt für einen Kaffeehalt, von wo wir die Aussicht auf die Lagune geniessen können.



Laguna de Uña im Vorfrühling

El Ventano del Diablo

Unter dem «Ventano del Diablo» muss man sich einen natürlich ausgehöhlten Fels- block in sehr exponierter Lage vorstellen. Er besitzt drei Öffnungen, wobei zwei davon einen schwindelerregenden Blick ins tiefe Tal erlauben, wo der «Júcar fliesst, die dritte den Zugang zum Mirador ermöglicht.
Der Sage nach fanden hier Hexensabbate statt. Heute gilt er als gern besuchter Aussichtspunkt, von wo aus man den Flusslauf des Júcar verfolgen kann. Er bietet aber auch eine hübsche Sicht auf das gegenüber liegende Villalba de la Sierra.



Eingang zum «Ventano del Diablo»


  

Dantes «Inferno» lässt bei diesem Blick in den Höllenschlund grüssen
 
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