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Kultur- und Wanderreise ins südliche Kastilien (7)

Sonntag, 22. April 2012

Die Region Cuenca am Übergang von der Serranía de Cuenca zur sich süd-westwärts ausbreitenden La Mancha war in der Römerzeit nur schwach besiedelt. Dies änderte sich erst, als die Mauren das Gebiet um 710 entdeckten und den strategischen Wert der zerklüfteten Landschaft erkannten. Besonders gefiel ihnen der steile Felsenkamm mit Hochplateau am Zusammenfluß von Júcar und Huécar. Sie errichteten darauf eine Festung und gaben ihr den Namen «Kunka». Mit der Zeit entstand um die Burg eine größere Siedlung, die von ihr den Namen übernahm.



Blick von der Altstadt von Cuenca in die Júcar-Schlucht

1177 eroberte König Alphons VIII das Gebiet von den Mauren. Neu Monate bela-gerte er Kunka, bis er es einnehmen konnte. Der Verteidigungswille der Bewohner machte Alfons grossen Eindruck, weshalb er die in sein Reich einverleibte Stadt mit dem Ehrentitel «muy noble y muy leal» (sehr edel und loyal) auszeichnete. Gleich-zeitig verlieh er den Bürgern zahlreiche Privilegien. Dank florierenden Woll- und Tuchhandel brachten es die Bewohner von Cuenca rasch zu Wohlstand, der bis ge-gen Ende des 18. Jahrhunderts auch anhielt.
Schon im Jahre 1197 begann die Bürgerschaft mit dem Bau der gotischen Kathe-drale, die freilich erst 300 Jahre später ihre Vollendung fand. Die Platzverhältnisse auf dem Felsenplateau wurden rasch eng, ein Umstand, welcher die Cuencaner er-finderisch werden ließ. Die «Casas colgadas» und die bis zu zehn Stockwerke ho-hen «Rascacielos» (Wolkenkratzer) bilden neben den schmalen Stiegen und Gäß-chen die Antwort auf die begrenzten Platzverhältnisse.
Im 19. Jahrhundert breitete sich das moderne Cuenca am Fuß der Altstadt aus. Dessen Bauten ragen freilich selten über den Dutzendcharakter hinaus, was schon ein kurzer Rundgang offensichtlich macht. Ein Besuch in der belebten Geschäfts-strassen, vor allem aber in der mit besonderen Süßigkeiten aufwartenden «Confi-tería Ruiz» macht einen Besuch trotzdem lohnenswert. Wer ein richtiges Labyrinth erleben möchte, dem sei das Stadtviertel um die Calle de Belén empfohlen, doch sollte man ein CPS unbedingt auf sich tragen, um den Ausgang wieder zu finden.



Hier ist gut sein mit den vielen Süsssigkeiten

 
Plaza mayor   
Den trapezförmigen, überraschend grossen Hauptplatz säumen das Rathaus, die Kathedrale und mehrere adelige Herrenhäuser, die mit schmideiseren Gittern reich geschmückt sind. Das barocke zweistöckige Rathaus wurde 1762 über einer dreifa- chen Rundbogenarkade errichtet, durch welche man den Hauptplatz von der Calle de Alfonso VIII her betritt. Für den Besucher bildet es eine Art repräsentatives Entrée zur Plaza mayor. Wappenschmuck und andere Zierelemente bereichern seine Fassaden und verleihen ihm ein vornehmes Gehabe.



Die weite Plaza mayor
 
Catedral de Nuestra Señora de Gracia y San Julián
Die ursprüngliche Fassade der Kathedrale ist 1902 eingestürzt. An dessen Stelle baute man eine Neugotische, eine kalte Imitation von gedrungener Breite. Um so mehr überrascht das Innere, das sofort französischen Einfluss erkennen läßt. Die lanzett-förmigen Spitzbögen im Chor, die Zwerggalerie oder die Sägemuster der Archivolten erinnern an frühgotische Bauwerke in der Ile-de-France und in der Normandie. Die Kirche besitzt den Grundriss einer kreuzförmigen Basilika. Die lange Bauzeit brachte auch manche Planänderung mit sich. Als Ersatz für die fünf vorne das Bauwerk abschließenden Halbkreisapsiden entstand im ausgehenden 15. Jahr-hundert wie in Segovia und Toledo ein doppelter spätgotischer Chorumgang mit Ka-pellenkranz. Das mit Figuren geschmückte Chorgitter zählt zu den Prachtvolle-ren in Spanien. - Sehens- wert sind auch die Nebenräume der Kathedrale samt ihrer Aus-stattung.



Blick auf die neuotische Fassade der Kathedrale am Plaza mayor
 
Bischofspalast mit Diözesanmuseum
Südlich der Kathedrale erhebt sich der Bischofspalast in den ehemaligen Häusern des Domkapitels. Sein ältester Kern stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Verän-derungen im 16. und 17. Jahrhundert dominieren das heutige Aussehen. Der Besuch des Mu- seums der Diözese von Cuenca, das ebenfalls hier untergebracht ist (an Werktagen bis 20 Uhr geöffnet), eremöglicht auch einen Blick ins Innere des Bau-werks.



Blick ins Innere des Bischöflichen Palastes
 
Torre Mangana
Der Mangana-Turm erhebt sich dort, wo sich zu maurischer Zeit der Alcazar aus- dehnte. Der heutige Torre mit Kranzfesims stammt aus dem 16. Jahrhundert. Unklar ist, ob an seiner Stelle hier früher ein Minarett gestanden hat. Er ist eines der Wahr- zeichen von Cuenca und dient als Uhren-Turm. Er ist von Ausgrabungen der Alca-zar umgeben.



Das Wahrzeichen der Stadt; die Torre Mangana
 
Casas colgadas
Der Standort der «hängenden Häuser» befindet sich unmittelbar an die Felskante zum Huécar-Tales. Mit ihr bilden sie eine Einheit, die sie wie an die Felswände geklebte Wespenwaben erscheinen läßt. Ihre zwei bis vierstöckigen Holzbalkonen, talseitig über den gewachsenen Boden hinaus ragend, «hängen» gleichsam über dem über hundert Meter tiefen Abgrund. Man muss schon Atem holen, um auf die von Holzkonsolen ge- stützten und überdachten Loggias zu treten. Freilich wird die «Mutprobe» auch belohnt durch eine großartigen Sicht auf die abwechslungsreiche Topographie der Stadt.  - Die Häuser gehen im Kern auf das 15. Jahrhundert zurück, wurden aber im Verlauf der Zeit immer wieder erneuert. Die letzten Renovationen fanden 1950 und 1978 statt. Erhalten haben sich von diesem Haustyp bis heute drei Gebäude.



Die Casas colcadas mit den überhängenden Holzbalkonen

In zwei Casas colgadas ist seit 1966 das Museum für abstrakte spanische Kunst der Fundación Juan March untergebracht. Gezeigt werden 129 Gemälde und Skulpturen der Avantgardisten Fernando Zobél, Antoni Tàpies, Eusebio Sempere, Antonio Saura, Gerardo Rueda, Jorge Oteiza, Manuel Millares und Eduard Chillida sowie anderer Künstlern. Im April zeigt das Museum über-dies die Sonder-ausstellung «Fotomontagen aus der Zeit zwischen 1918 und 1939». - In den Museumsräumen stößt man immer wieder auf die ursprüngliche Konstruktion der Häuser, vereinzelt aber auch auf alten Mauer- und Deckenschmuck.



Schwindelfreier Blick von einer Casa colcada (Museum) ins Tal hinunter
 
Rascacielos
Eine Besonderheit der Stadt stellen die «Wolkenkratzer» dar, die auf einer Gelän-deterasse zwei oder drei geschossig begonnen wurden, um sie nachher etagen-weise zu einem tiefer liegenden Geländevorsprung oder zum Talboden hinunter zu bauen. Endstanden sind sie vor mehr als dreihundert Jahren, was auch die Kon-struktion erklärt.



So wurden die «Wolkenkratzer» mit einfachen Mitteln von oben nach unten gebaut

  Baukunst von einst: die 400 jährige zehnstöckige «Wolkenkratzer» von Cuenca



Ein Teil der über 30 Rascacielos heute

Calle de San Pietro

Die Calle de San Pedro zählt zu den ältesten Cuencas. Sie verläuft von der Plaza mayor bis zur Plaza Trabuco und stellt die Fortsetzung der Calle Alfonso VII dar. Die Häuser entlang der Straße besitzen ein vornehmes Aussehen, die Eingänge sind oft mit Wappen geschmückt. Schmideiserne Gitter zieren die Fensteröffnungen und Balko- ne. Besonders sehenswert ist das Haus des Domherren Juan del Pozo, der Palacio de los Mayorga und der Convento de las Celadoras del Sagrado Cora-zón, schließlich bei der Einmündung in die Plaza Trabuco die Kirche San Pedro.



Die Calle de San Pedro, die Hauptverkehrsachse in der Altstadt
 
Castillo
Die Burganlage wurde von den Mauren zuoberst auf dem Felsenplateau erbaut. Die Christen haben sie anfänglich weiter ausgebaut. Später wurde sie aber dem Zerfall preisgegeben. So sind von ihr nur mehr Ruinenreste übrig geblieben, welche ihre einstige Größe erahnen lassen. Die Anlage ist gesichert und kann darum begangen werden. Von ihr aus ist ein grossartiger Rundblick in die beiden Flußtäler möglich. Eindrücklich ist dieser am Abend bei Sonnenuntergang.
 
Puente de San Pablo / Convento de San Pablo
Über das Tal des Huécar verbindet heute eine filigran anmutende Eisenbrücke die Altstadt mit dem ehemaligen Dominikanerkloster St. Paul auf der anderen Talseite. Bis 1896 stand an deren Stelle eine steinerne Bogenbrücke mit vier Stützen. Da-mals brach ein Bogen durch. Als Ersatz entschied man sich für eine Ausführung in Eisen, weil eine solche nur mit zwei Trägern auskam. Die neue Brücke, ein luftiges Bijou, ist nur mehr für Fußgängern benutzbar. Von der andern Talseite hat man einen schönen Ausblick auf die Altstadt und die Casa Colgadas.



Die Eisenbrücke über das Tal des Huécar, eine luftige Konstruktion

Das Dominikanerkloster San Pablo (Gründer war Kanoniker Juan de Pozo) errich-teten die Brüder Juan und Pedro de Alviz in einer Zeit des Übergangs im 16. Jahr-hundert. In der Bauart noch ganz der Spätgotik verhaftet, besitzen Dekoration und Ausstattung bereits die Sprache der Renaissance. Das Kloster beherbergt heute einen Parador. Kreuzgang und einige Räume können besichtigt werden. Die Kirche beherbergt seit 2006 das Museum Espacio Torner. Die geometrische Abstraktion seiner Werke verbin- det sich mit der gotischen Eleganz der Kirche und schafft auf diese Weise einen Raum voll klarer Ästhetik.



Convento de San Pablo: heute Museum und Parador

Museo de las Ciencias de Castilla-LaMancha
Das naturwissenschaftliche Museum, untergebracht in einem Neubau inmitten der Altstadt, ermöglicht in mehreren Sälen einen Rundgang durch die Astronomie von den Ägyptern bis in unsere Tage. Auf amüsante Art wird man hier in die Thematik eingeführt. Architektonisch integriert sich der moderne Bau gut in seine Umgebung.
 
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