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Kultur- und Wanderreise ins südliche Kastilien (8)

Montag, 23. April 2012

Belmonte
Der heutige Tag ist den Spuren von Don Quijote in der Südmeseta gewidmet. Wir fahren durch eine abwechslungsreiche Landschaft und treffen hin und wieder auf einsame Dörfer. Auf dem «Berg» bei Belmonte sehen wir nicht nur die ersten Windmühlen, hier trohnt auch das durch den Film «El Cid» (1961) bekannt ge-wordene, trutzige Castillo. Dieses hatte Juan Pacheco, Marqués de Villena im 15. Jahrhundert zum Schutz seiner Ländereien erbauen lassen. Man kann sich gut vorstellen, dass sich der edle Hidalgo Don Quijote von der Mancha von Kastellanen solcher Burgen zum Verbringen der Nacht einladen liess. Ob er allerdings hier war, ist ungewiss, sicher aber ist, dass in der Burg der Ritter von der traurigen Gestalt in einer Malerei verewigt ist.



Ankunft von Don Quijote im der Burg Belmonte

Die Burg besitzt einen sechseckigen Grundriss. Jede Ecke ist mit einem Rundturm ausgestattet. Mauern und Türme sind mit Zinnen geschmückt. Eine gut mannshohe Burgmauer umgibt das Castello. Die Anlage wurde später ziemlich vernachlässigt. Im 19. Jahrhundert liess Eugénie de Montijo, die Gattin Napoleons III., gar eine Ziegelbrennerei im Innenhof einrichten. Entsprechend karg bieten sich heute die Innenräume dem Besucher an. Aus glücklicheren Tagen der Burg gibt es nur einige Artesonado-Decken anzusehen.



Eine der mächtigen Burganlagen in der La Mancha
 
Die Stadt selber stellt eine typische Mancha-Ortschaft dar. Von der ursprüngliche Befestigung haben sich noch Teilstücke erhalten, darunter auch die Stadttore. Aus-ser in einigen Patrizierhäusern strömt das Ortsbild eher ländliche Beschaulichkeit denn städtisches Flair aus.



Brunnen für Vieh und Leute. Der Wasserhahnen mit dem Hahn ist für die Menschen

Überragt werden die Häuser von der gotischen Kollegiatskirche. Als Bauherr der Colegiata de San Batolomé wird wieder Juan Pacheco genannt, der sie ab 1430 errichten liess. Die Kirche steht an Stelle einer westgotischen Vorgängerkirche. Das Innere beherbergt ein Chorgestühl vom Architekten und Bildhauer Enrique Egas, das er um 1590 für die Kathedrale in Cuenca schuf, das dort aber im 18. Jahrhundert in Ungnade fiel und nach Belmonte verkauft wurde. Die Darstellungen (das Chor-gestühl ist in Spanien das erste, das szenische Bilder aufweist) zeigen das Ge-schehen im Paradies und der Passion Jesu. Bemerkenswert sind die Retabel aus dem 16. bis 17. Jahrhundert, die von einheimischen Künstlern geschaffen wurde. Die Orgel stammt aus der Mitte des 18. Jahrhundert. Im Taufstein wurde der Mönch und Dichter fray Luis de León getauft, der 1527 in Belmonte geboren wurde.



Eingangspforte zur Colegiata de San Barolomé

Mota del Cuevo
Auf der Weiterfahrt  treffen wir nun immer wieder auf Windmühlen. Sieben von ihnen beherrschen auch das Dorfbild von Mota del Cuervo (an der Ruta del Don Quijote). Zwar hat der ruhmreiche Hildago hier nicht gegen die Windmühlen angekämpft, aber er hat in Mota, wie es im Roman erzählt wird, den Kampf gegen den Spiegelritter gewon- nen.
Bei den Windmühlen angekommen werden hier ihre Geschichte, Funktion und Bedeutung in der Mancha von einem Fachmann erläutert, der sie während der Besichtigung auch in Betreib nimmt, sofern es das Wetter zulässt. Die Erfindung, wie sich das Rad mit einfachen Mittel auf die Windströmung ausrichten läßt, bringt uns heute noch zum staunen.



Windmühlen oberhalb von Mota del Cuevo

 
Lagune von Manjavacas
Nicht weit von Mota del Cuevo entfernt liegt die Lagune von Manjavacas, die ein wah- res Paradies für Vögel und Pflanzen darstellt. Für den nicht geübten Betrachter fallen natürlich vor allem die Blumenpracht und die Rosaflamingos auf. Da es noch andere Lagunen in der Nähe hat, erinnert die Landschaft etwas an den österreichischen See- winkel.

    

Rosaflamingos in der Lagune von Manjavacas

Almagro (1)
Am Südrand der Mancha, wo der Campo de Calatrava auf ehemals ausgedehnten Landbesitz des Calatrava-Ritterordens hindeutet, siedelte Rodrigo Jiménez de Rada als Erzbischof von Toledo 70 Adelsfamilien aus seiner Diözese zur Neugründung an, woraus das heutige Landstädtchen Almagro hervorging. Dass vor dem 12. Jahr-hundert hier ein bedeutendere Siedlung bestanden hätte, dafür gibt es keine ar-chäologische oder historische Zeugnisse. Nachdem aber Almagro zum Hauptsitz des Calatrava-Ordens erhoben wurde, ging es mit seinem Ansehen steil aufwärts. Daran änderte sich auch nichts, als der Orden im 16. Jahrhundert in die spanische Krone einverleibt wurde. Die Bankiers von Kaiser Karl V. - die Fugger und Welser - machten  sich nun hier breit und trugen zur Weiterentwicklung viel bei. Von der gros-sen Anziehung der Stadt bis um 1800 sprechen die hier angesiedelten Adelshäuser im Barrio Noble.
Der Corral de las Comedias am Plaza mayor, gebaut in der Mitte des 17. Jahrhun-derts, gilt als das älteste erhaltene Theater Spaniens, das bis heute bespielt wird. Das recht- eckige Gebäude umschliesst einen offenen Innenhof (Corral), der für die Stehplätze reserviert war (heute wird er an Spieltagen mit Stühlen belegt. Sein Boden ist mit Flußkieseln ornametal gepflastert. Der Hof ist dreigeschossig von Holzgalerien (für Sitzplätze) mit Pfeilern und Ballustraden eingefaßt und auf eine Schmalseite ausgerichtet. Hier steht die Bühne als erhöhtes Podium und doppel-stöckiger Hauskulisse, was das Spielen der Klassiker (Calderón, Cervantes oder Lopa de Vega) ermöglichte. Bühne und Holzgalerien sind überdeckt. Die Leute im «Parterre» standen hingegen bisweilen im Regen, wenn die mehrere Stunden dau-ernden Dreiakter heiteren oder ernsten Inhalts - unterbrochen durch burleske Zwi-schenspiele - aufgeführt wurden. Das Theater kann für über 300 Plätze bestuhlt wer-den. Während einer Führung sind Zuschauerraum, Bühne und Spielergardaroben zu besichtigen.



Das Innere des Corral de las Comedias

Alljährlich findet in Almagro im Juni und Juli das Internationale Festival für Klassisches Theater statt - heuer zum 33. Male. Während eines knappen Monats wird dann im Coral de las Comedias, im Hospital de San Juan, im Teatro Municipal, im Innenhof Patio de los Fúcares und im Kreuzgang des Dominikanerklosters sowie in den Straßen Theater gespielt. Die Stadt scheint dann in die Zeit von Calderón de la Barca, Lope de Vega oder Tirso de Molina zurückversetzt zu sein.



Der Corral während einer Aufführung
 
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