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Kultur- und Wanderreise ins südliche Kastilien (9)

Dienstag, 24. April 2012


Almagro (2)
Die Plaza mayor zählt zu den hübschesten in der Region. Sie wurde 1372 rechteckig angelegt, im 18. Jahrhundert umbaute man die beiden Längsseiten nach einheitlichem Muster mit Fachwerkhäusern (die an Flandern erinnern) samt stei-nerenen Säulengängen in tokanischer Ordnung. Die doppelstöckigen Gallerien waren ursprünglich als Tribünen offen und der Allgemeinheit zugänglich. Denn auf der Pla-za mayor fanden immer wieder Staatsakte, Feste, religiöse Feiern, aber auch Stier-kämpfe und Turniere statt. Das Rathaus mit dem obligaten Uhrenturm beherrscht die eine Schmalseite, die andere schmückt ein Park, der den Namen des Eroberers «Diego de Almagro» trägt, ein Kind dieser Stadt.



Die Plaza mayor in Almagro, grosszügig und für Feste geeignet

Das Museo national del teatro ist in den Räumen der Palacios Maestrales (ursprüng-lich der Ritter des Calatrava-Ordens, der hier sein Zentrum eingerichtet hatte. Später resiedierte hier der «Gubernator» von Almagro. Die Palacios wiesen ursprünglich alle Räume auf, die es für eine Ordensresidenz, für die politische Administration und für die Repräsentation brauchte). - Das Theater-Museum, als solches das einzige in Spanien, zeigt Exponate zu Theater, Oper, Ballet und Zarzuelas aus drei Jahr-hunderten.



Romantische Theaterkulisse im Nationalen Theatermuseum

Das Adelsviertel Barrio Noble versetzt uns in die Jahrhunderte des grossen Glanzes von Almagro zurück. Hier können wir die Häuser Casa del Mayorazgo de los Molina, Casa de los Rosales, Casa del Capellán de las Bernardas oden den Palacio del Maestral und den Palacio de los Medrano bestaunen. In der Calle de las Nieves stossen wir auf zwei schöne Stadtpaläste aus dem 16. Jahrhundert, jener der Bankiersfamile Welser und jener von Juan Xedler, welcher die Geschäfte der Welser vor Ort führte. Am Ende der Strasse liegen die Casa del Prior und der Palst der Familie de los Oviedo. An der Plaza de Santo Domingo gilt das Augenmerk den beiden Stadthäusern der Marquisen von Torremejia und der Conden von Valde-paraiso, Paläste, die im 17. Jahrhundert erbaut wurden. Vergessen werden darf in der Aufzählung aber auch nicht der sog. Fugger Palast (Almacén de los Fúcares), der wegen seiner hohen Architekturqualität so bezeichnet wird, obschon er eigent-lich «nur» als Getreide- und Quecksilberspeicher der Fugger in der Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet worden ist. Zentrum diese Gebäudes ist ein doppelge-schossiger Renaissancehof mit toskanischen Marmorsäulen und Balustraden im Geist des Cinquecento.



Repräsentabler Innenhof für einen Speicher

Almagro besitzt auch viele Kirchen und Klöster. Erwähnt seien von ihnen das Franziskanerkloster von 1596, in dem heute ein Parador untergebracht ist, das Do-minikanerkloster mit sehr schönem Kreuzgang im Stil der Renaissance und die Igle-sia de Madre de Dios, eine gotische Hallenkirche, die 1543 angefangen und 1603 vollendet wurde.



Stimmungsvoller Kreuzgang im Dominikanerkloster von Almagro

Die Fahrt nach Toledo zeigt noch einmal die Schönheiten der Mancha mit ihren Weiten und mit den fernen Hügeln. Natürlich ist diese Busreise unter anderm auch besonders genussvoll, weil noch alles grün ist und die Blumen eine verschwen-derischer Pracht entfalten.

Toledo: Zu Beginn ein Text von Kristin Hühnergarth
«Ein Trip nach Toledo kommt einer Reise in vergangene Zeiten gleich. Anstelle von modernen Wolkenkratzern und begradigten breiten Straßen versetzen hier enge Gassen mit Kopfsteinpflaster, historische Kirchen, Stadttore oder Reste eines Ver-teidigungsrings die Besucher zurück in vergangene Zeiten. Dabei beherbergt die Hauptstadt der autonomen Region Kastilien-La Mancha aber mehr als nur spanische Historie. In der «Stadt der drei Kulturen», wie Toledo genannt wird, haben sowohl Christen, Mauren als auch Juden ihre Spuren hinterlassen. Und weil Toledo mit all den epochalen Bauten wie ein einziges großes Museum wirkt, wurde der ganze Ort vom spanischen Staat zum Nationalen Monument und von der Unesco zur Welt-erbestadt erklärt.


Hauptstadt eines Weltreichs
70 km vor den Toren Madrids gelegen, thront Toledo auf einem Hügel, der vom Fluss Tajo umflossen wird. Diese topographisch exzellente Lage inmitten der Ibe-rischen Halbinsel erkannten sowohl die Römer als auch die Westgoten und errich-teten da ihr Castrum. Zahlreiche Moscheen und das noch heute existierende Stra-ßennetz entstanden unter der Herrschaft der Araber, die im 8. Jahrhundert in Toledo Einzug hielten. Jahrhunderte lang machte Toledo seinem Beinamen «Stadt der drei Kulturen», alle Ehre. Die Mauren, Juden und Christen lebten friedlich miteinander. Selbst unter der Herrschaft der Christen (Alfonso VI. eroberte Toledo im Jahr 1085) blieb dieses versöhnliche Zusammenleben bestehen. Noch heute sind Zeugnisse davon auszumachen, Beispiele dafür geben die Synagogen oder die Kirchen wie die beeindruckende Kathedrale. Aber auch Bauformen oder Stuckornamente aus der is-lamischen Architektur sind allerorten präsent. Alfonso VI. war es dann auch, der hier seinen Königssitz errichtete und Toledo damit zur Hauptstadt seines Reiches mach-te. Von der Festung Alcázar aus herrschte später Kaiser Karl V. über ein Weltreich. Die große Bedeutung Toledos gipfelte im 15. Jahrhundert, bevor Philipp II. Madrid zur Hauptstadt ernannt hatte.




Mezquita del Cristo de la Luz

Altstadt und Kathedrale
Heutzutage stellt der Tourismus die Haupteinnahmequelle Toledos dar. Am besten erkundigt man den Ort und seine Sehenswürdigkeiten zu Fuß. Am Plaza Zocodover ist nicht nur die Touristeninformation angesiedelt, der belebte Platz mit dem arabischen Namen beherbergt auch einige Cafés und Bars. Generell läßt sich sa-gen, dass Toledo über kein explizites Viertel zum Weggehen verfügt, sich die Möglichkeiten zur Abendgestaltung eher auf die ganze Stadt verteilen. Vom Plaza Zocodover gelangt man über die Calle Comercio immer weiter hinein in die Altstadt. Der Name ist übrigens Programm: In der Calle Comercio, also der «Straße des Handels», sind zahlreiche Bekleidungs- und Schuhgeschäfte oder Souvenirläden untergebracht. der Gasse folgend gelangt man zur gewaltigen Kathedrale. Sie be-sticht nicht nur durch ihre immense Größe, sondern auch durch ihren Schmuck und ihre Ausstattung. So zeigt der Hauptalter, eine Schnitzarbeit aus Lerchenholz, die mit Goldplatten gefasst ist, Szenen aus dem Leben Jesu und Marias. Das bemer-kenswerte Chorgestühl fasziniert einen jeden Besucher mit ihren detaillierten, zum Schmunzeln und Staunen anregenden Schnitzereien. Mehr als 750 bemalte Fenster lassen die Kirche in einem diffusen Licht erscheinen. Dass der Bau des Gottes-hauses mit all seinen ZIerden über 250 Jahre in Anspruch nahm, mag niemanden verwundern. Sie gilt als reichste sowie bedeutendste gotische Kathedrale Spani-ens, nicht zuletzt auch wegen ihrer einzigartigen Sakristei mit ihren Schätzen, die sie zu einer der wichtigsten Privatsammlungen Spaniens macht (Gemälden von Goya, Van Dyck und El Greco, Golschmiedearbeiten Tapisserien).



Das letzte Abendmahl, Detailansicht. Skulptur am linken Seitenportal der Kathedrale

Die älteste Synagoge Spaniens: Sinagoga de Santa María la Blanca
Ebenfalls einen Besuch wert ist die Sinagoga de Santa María la Blanca, ein Relikt der jüdischen Bevölkerung Toledos. Das Bauwerk zeigt sich recht bescheiden. Es fehlen Sitzbänke, aber mit ihren Halbbögen erinnert sie stark an Córdoba.

Monasterio de San Juan de los Reyes
Ketten ehemaliger christlicher Sklaven hängen an der verschnörkelten Außen-fassade des Monasterios de San Juan de los Reyes. Königin Isabel ließ die Ketten dort anbringen, als Zeichen dafür, dass Christen nie wieder zu Sklaven der Mauren werden dürften. Im Inneren des Klosters sind die kunstvolle Kuppel und die Kreuz-gänge absolut sehenswert.




Detail aus dem Gewände im unteren Kreuzgang des Klosters San Juan de los Reyes

Richtig schön wird es erst am Abend
Toledo zählt zu den meistbesuchten Zielen in Zentralspanien, rund 2 Millionen Gäste kommen jährlich in die Universitätsstadt. Die meisten von ihnen sind Tages-touristen aus Madrid. Deshalb möchte ich darauf aufmerksam machen, dass sich tagsüber zwar Vieles entdecken lässt, richtig „historische“ Stimmung aber erst in den Abendstunden aufkommt, wenn die Souvenirstände geschlossen werden und die Touristenbusse abgefahren sind.
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Kristin Hühnergart, Text erschienen in: www.fernweh.de/Reiseberichte
 
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