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Kultur- und Wanderreise ins südliche Kastilien (10b)

24. und 25. April

Monasterio San Juan de los Reyes
Das Kloster liegt in beherrschender Lage über dem Tajo und der St. Martins-Brücke, direkt gegenüber der Puerta del Cambrón. Die katkolischen Könige liessen es ab 1476 als Franziskanerkloster und geplante Grabstätte für sich errichten. Doch wurde dieser Plan mit der Eroberung von Granada 1492 aufgegeben. Die beiden Könige sind dort begraben worden. San Juan blieb jedoch das monumentale Zeugnis der endgültig gefestigten Macht der katholischen Könige. Nicht zufällig planten sie, Kir-che und Kloster in der Judería zu bauen.
Juan Guas, wahrscheinlich ein Bretone, ist seit 1453 in Kastilienn nachweisbar. 1581 wird er Kathedralbaubeister in Toledo. Er plante und leitete den Bau von San Juan ab 1477 bis zu seinem Tode 1496. In diesem Jahr stand das Kloster kurz vor seiner Vollendung.
Die Kirche ist eine einschiffige, von Kapellen begleitete Anlage, die in einer Pseudo-vierung und einem polygonalen Chor kulminiert. Vierung und Chor waren als Be- gräbnisstätte gedacht gewesen. Deshalb erfahren sie architektonisch eine besonde-re Aufwertung.



Das Kircheninnere mit Blick zum Chor

Der Innenraum wirkt festlich. Er wird durch grosse Biforien-Fenster über den Kapel-len und im Kuppeltambour belichtet. Ein Sternengewölbe schliesst ihn nach oben ab. Eine spätgotische Wandgliederung mit Heiligenfiguren und Wappen der katho-lischen Könige kleidet das Untergeschoss der Kreuzarme aus. Die grossartigen Fi-guren von herausragender Qualität stehen stilistisch in Verbindung zu den Künst-lern des Südportals der Kathedrale. Die Klosterkirche stellt die Weiterentwicklung und den Höhepunkt der Architekturvorstellungen und der Bildhauerkunst nordischer Prägung in Toledo dar. - Der heutige Altar wurde erst 1541 für das Hospital de Santa Cruz an den Bildhauer Felipe Bugarny und den Maler Francisco de Comontes in Auftrag gegeben und 1552 vollendet.
Der Eingang zur Kirche erfolgt durch das spätgotische Portal vom zweistöckigen Kreuzgang her. Letzterer wurde erst nach 1500 unter Enriqie Egas, dem Nachfolger von Guas vollendet. Das Untergeschoss mit Masswerkarkaden, Figuren unter Bal-dachinen vor den Bündelpfeilern für die Sternenengewölbe und dem Inschriftenge-sims entspricht stilistisch dem Kircheninnern. Das etwas niedrigere Obergeschoss mit breiten Vorhangbogen (inkl. Palustradenbrüstung) und Artesonado-Decken nimmt maurische Elemente wieder auf, die bis weit ins 16. Jahrhundert hinein in Toledo lebendig bleiben.



Eingang vom Kreuzgang in die Kirche

Puerta del Cambrón
Das Stadttor enthält im unteren Teil westgotische und arabische Bausubstanz, wurde aber im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Indessen dürfte der rechteckige Grundriss zu mindest bis in die Zeit der Mauren zurückreichen. Das heutige Aussehen erhält das Tor 1576, als man es beidseitig mit Doppelturmfas-saden im Herrera-Stil ausbaut. Beide Seiten zieren Wappen, aussen jenes der Stadt, beseitet von Figuren, welche die westgotischen Könige Sisebuth und Sise-nand darstellen. Die Seite zur Stadt ist mit dem Wappen Philipps II. geschmückt. Während diese ein repräsentativeres Portal vorzuweisen hat, das dazu mit der Stadtheiligen überhöht ist, weiss die gegenüberliegende Fassade als Ganzes besser zu gefallen. Das Tor diente früher dem Alscalden (Stadtpräsidenten) als Wohnung. In Toledo ist die Puerta del Cambrón das einzige Tor, durch das der Verkehr noch rollt.



Alte Ansicht von der Puerta del Cambrón. In der Nische fehlt die Statue

Puerta Nueva de Bisagra
Stadttor arabischen Ursprungs, eine wehrturmartige Anlage mit Innenhof und 12 Me-ter dicken Mauern zur Stadt hin. Umbau 1545 bis 1562 von Alonso de Covarrubias, dem Hofarchitekten Karls V. Zwei mächtige Rundtürme flankieren die zurückver-setzte Durchfahrt im Rusticastil stadtauswärts. Die Statue des Stadtpatrons Eugen (1575) schmückt den Giebel. Ein überdimensioniertes Wappenemblem Kars V. prangt über der Durchfahrt.



Stadtmauern (rechts) mit Puerta de Bisagra (vorne links)

Iglesia de Santiago del Arrabal
Die heutige Jakobs-Kirche aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts im Mudejár-Stil ersetzte eine früheres Gotteshaus, das erstmals 1179 bezeugt ist. Ungewiss ist, ob der freistehende Glockenturm und die Vorbauten im 13. Jahrhundert anzusiedeln sind. Die dreischiffige Anlage besitzt ein ausladendes Querhaus, eine erhöhte Vie-rung und drei runde Apsiden als Chorabschlüsse. Die hohe gemauerte Blendarka-dengliederung im Äusseren (Apsiden) wie im Inneren ist typisch für die Mudéjar-Kirchen in Toledo. Der Einfluss gotischer Bauvorstellungen manifestiert sich in den hohen Proportionen und in den Spitzbögen.



Santiago-Kirche: Chorseite mit den Blendarkaden

Puerta del Sol
Tor aus dem 14. Jahrhundert mit einem viereckigen und einem halbrunden Turm. Das Relief an der Westseite zeigt die Kaselübergabe an St. Ildephons (607-667, stammt aus der westgotischen Oberschicht, wird Mönch, Abt und später Erzbischof von Toledo, Schüler Isidors von Sevilla. Ildephons trug viel zur Marienverehrung in Spanien bei) durch die Gottesmutter Maria (Legende), ein Sujet, das immer wieder in Toledo anzutreffen ist.  Eine zweite Skulpturengruppe basiert auf einer Toledaner Sage. Über ihr finden wir die für den platersken Stil üblichen Blendarkaden.



Die Puerta del Sol mit den beiden Darstellungen über dem Hufeisenbogen

Mezquita / Santo Cristo de la Luz
Die kleine Moschee de Valmardón des 10. Jahrhunderts ist der einzige relativ intakt gebliebene Bau aus der Zeit der Maurenherrschaft, ein allseitig arkadierter Back-steinkubus. Er wurde als Familienmoschee  für Ahmed al Hadidi errichtet und bildet heute das Schiff eines im 13. Jahrhundert angebauten christlichen Kirchenraums, dessen Wände mit Arkaden im Mudéjar-Stil geschmückt sind. In der nahezu qua-dratischen Westfassade befindet sich unter dem Dachgesims über einem Ziegelor-namentband die arabische Inschrift mit dem Baujahr 999. Darunter schmücken Huf-eisen- bzw. Dreipass-Bögen sowie überhöhte Eingangsarkaden die Wand.
Das Innere basiert auf einem guadratischen Grundriss mit acht Meter Seitenlänge. Der erste Eindruck ist beim Eintreten der einer kleinen lichtdurchfluteten Halle, die von vier Säulen mit wiederverwendeten westgotischen Kapitellen und Scheidebögen unterteilt wird. Darüber öffnen sich Zwischengeschosse, von denen das Mittelste durch Zackenbögen zu den Seiten geöffnet ist. Neun voneinander getrennte Kup-pelgewölbe schliessen die schachtähnlichen Gebilde nach oben ab. Diese sind nach dem Muster cordobanischer Vorbilder aus einem sich verstrebenden Gurtensystem entwickelt. - In der Apsis des Altarraums sind Fresken aus dem 13. Jahrhundert an-gebracht: Christus in der Mandorla mit den Evangelistensymbolen, wie sie in der Zeit der Romanik auch bei uns anzutreffen sind.



Entfernte Erinnerung an Córdoba beim Betreten dieser Moschee

Iglesia de San Ildefonso o de los Jesuítas
Mit dem Bau der Jesuitenkirche hat man im Jahre 1628 begonnen. Als Architekt wirkte Fray Francisco Baudista, der auch die Iglesia San Isidro in Madrid für die Societas Jesu gebaut hat. Als Vorlage diente, wie bei fast allen Jersuitenkirchen, «Il Jesú» in Rom. Der Grundriss bildet ein lateinisches Kreuz. Die einschiffige Kirche ist beidseitig mit Kapellen ausgestattet, die untereinander verbunden sind. Den Chor übereckt eine von Aussen gut sichtbare Kuppel, das Schiff ein Tonnengewölbe. Die weissen Wände und die Decke sind zurückhaltend stuckiert. Der Figurenschmuck stammt hauptsächlich von Germán López. Im 18. Jahrhundert kam es kurz vor der Ordensauflösung zu einer Gesamterneuerung, die dem Innern sein heutiges Ausse-hen verlieh. Die Aussenfassade samt den beiden Türmen (mit schöner Aussicht über die Stadt) hat Barolomé Zumbigo y Salcedo entworfen. Diese Kirche ist das am stärksten vom mitteleuropäischen Barockstil geprägte Gottes-haus in Toledo.

Iglesia de San Román / Museo de los concilios y cultura visicodas
Die Kirche stammt aus dem 12./13. Jahrhundert und besteht aus drei Schiffen, die vorne mit rechteckigen Apsiden abgeschlossen werden. Je drei weitgespannte Huf-eisenbögen über Pfeilern mit an die Seiten gestellten Säulen scheiden die Schiffe voneinander. Im Obergaden sind über jedem der Hufeisenbögen drei Rundöffnungen angebracht. Die Säulen besitzen ältere Kapitelle, sechs von ihnen sind klar west-gotischen Ursprungs. Die Schiffe sind mit Kasettendecken abgeschlossen. In den gut erhaltenen Wandfresken aus dem 13. Jahrhundert vermischen sich maurische Schmuckformen mit christlicher mittelalterlicher Figurendarstellung. Nur wenig erhel-len die zierlichen Mudéjar-Fenster den Raum. Insgesamt ist die Kirche ein gutes Beispiel für die Mudéjar-Architektur. -  Die Hauptapsis wurde von Alonso de Cova-rrubias um 1550 mit einer kassetierten Kuppel und ornamentalem Stuck umgebaut.
Das Museum zeigt Dokumente von den in Toledo abgehaltenen Konzilien aus dem 7. bis 11, Jahrhundert, ferner Architekturfragmente und Schmuck aus der Zeit der Westgoten.



Farben- und Formenpracht in der St. Roman-Kirche
 
Mezquita / Iglesia de El Salvador
Die 1822 fast vollständig durch Brand zerstörte Kirche geht auf eine westgotische Gründung Rekkareds I. vom Ende des 6. Jahrhunderts zurück. Der später als Mo-schee benützte Bau wurde im 13. Jahrhundert wieder dem christlichen Kult zurück-gegeben. Nach dem Brand hat man die Kirche in Rekonstruktion wieder aufgebaut. Archäologische Grabungen im Jahre 2003 haben römische und weitere westgotische Funde ans Tageslicht gebracht. Im Nachgang zu den Grabungen ist der Bau re-stauriert worden. Die Grabungen sind dabei zugänflich gemacht worden.
Der heutige Bau besteht aus einer dreischiffigen Kirche mit Hufeisenbögen über ornamentierten Pfeilerstützen, von denen eine mit bildlichen Darstellungen noch aus westgotischer Zeit stammt. Von unten nach oben sind folgende neutestamentliche Begebenheiten behandelt: die Heilung des Blinden, die Auferweckung des Lazarus und das Gleichnis vom barmherzigen Samariter sowie eucharistische Themen. Den Brand überstanden hat die Katharinen-Kapelle aus dem 15. Jahrhundert mit einem Altar aus der Schule Pedro Berruguetes.



Auferweckung des Lazarus

Für die Besichtigung zugänglich ist der Patio der Moschee oder, das, was davon  üb-rig geblieben ist: mehrere Hufeisenbögen auf Säulen.



Blick in den ehemaligen Orangenhain der Moschee

Iglesia de Santo Tomé

Das Gotteshaus stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde an Stelle einer frühe-ren Kirche errichtet.Sie besitzt einen schönen Mudéjar-Turm. Als Bauherr wird Don Gonzalo Ruiz de Toledo, Graf von Orgaz, erwähnt, der sich hier auch bestatten liess.
Die Kirche ist dreischiffig und wird von einem polygonalem Chor abgeschlossen. Zwischen Schiff und Chor schibt sich ein Querschiff ein. Jüngeren Datums ist das im 15. Jahrhundert angebrachte Sternengewölbe im Chor.
Hauptanziehungspunkt ist aber ein Meisterwerk von El Grego, das über dem Grab des oben erwähnten Grafen ausgestellt ist und den Titel trägt: Das Begräbnis des Grafen Orgaz. Wiedergegeben wird die Legende, wonach der Graf eigenhändig von den beiden vom Himmel herabgestiegenen Heiligen Stephanus und Augustinus bestattet wird, hier dargestellt im Beisein von Geistlichen und Toledaner Edelleuten in zeitgenössischer Kleidung. Anders als erwartet vollzieht sich das Wunder wie selbstverständlich.



El Greco: Das Begräbnis des Grafen von Orgaz

Im oberen Bildteil nimmt Christus auf Fürbitte von Maria und Johannes des Täufers die Seele des Verstorbenen auf, die von einem Engel emporgetragen wird. Letzterer bildet formal und inhaltlich die Klammer zu beiden Bildzonen. Heilige und Engel in Wolken begleiten das zentrale Geschehen. Unter ihnen sind auch Philipp II. als Verteidiger des Glaubens und Papst Sixtus V. neben Petrus, Paulus und Jakob d. Ä. zu erkennen. In etwas ferner liegenden Wolkenräumen sitzen David, Moses und Noah bzw. Lazarus, Maria und Martha. Zu den Teilnehmern an der Beerdigung hat sich auch der Künstler mit seinem Sohn Jorge Manuel gesellt. - El Greco hat das Bild 1588 fertig gestellt, also in seiner mittleren Toledaner Zeit, in der er die ve-netianische Schulung in eine völlig eigene Auffassung umgesetzt hat: Farbe und Licht werden die beherrschenden Gestaltungsmittel, Der zentralperspektivische Tiefenraum verliert an Bedeutung.



El Greco: Das Begräbnis des Grafen von Orgaz (aufnahme der Seele in den Himmel)

Sinagoga / Iglesia de Santa Maria la Blanca
Das Gebäude wurde um 1250 als Synagoge errichtet und nach 1400 dem christ-lichen Kult übergeben. Den Altarraum hat der uns schon früher begegnete, Alonso de Covarrubias um 1500 umgebaut.
Der weissgetünkte Ziegelbau besitzt fünf Schiffe (mit offenem Dachstuhl), deren Höhe nach Aussen zu abnimmt. Hufeisenbögen markieren die Gliederung. Sie entfalten sich auf niedrigen achtkantigen Pfeilern, die mit Knosper-Knollen-Kapitelle geschmückt sind. Der Obergaden ist untere einer Blendarkadenzone mit einem durchlaufenden Stuckfries ausgestaltet. Die stark geometriesierte Stuckdekoration, die auch die Bogenzwickel in allen Schiffen überzieht, verleiht dem Raum seinen besonderen Reiz. Ihr Formenschatz weist auf andalusisch geschulte Künstler hin und repräsentiert den Übergangsstil um 1270.



Die ehemalige Moschee mit den Hufeisenbögen und den geometrischen Mustern

In der nach 1550 umgebauten drei Chorkapellen führt Covarrubias Renaissance-Stil-formen der Italiener Donato Bramante und Filipp Brunelleschi aufgenom-men: in der Hauptapsis Muschelkalotte über achteckigem Kasettentambour auf Trompen, in den Seitenapsiden bescheidenere Muschelkalotten über Trompen.



Einbau um 1550 im Chor: Muschelkalotte über achteckigem Tambour

Sinagoga / Iglesi de Nuestra Señora del Transito / Museo Sefardi
Schatzmeister Samuel Levi liess die Synagoge innerhalb seines Wohnpalastes 1355 bis 1357 durch den Architekten Rabbi Mayr erbauen. 1492 erfolgte die Über-gabe an die Calatrava-Ritter, welche sie in eine christliche Kirche umgewandelt ha-ben. Ihre Veränderungen hielten sich aber in Grenzen. Seit 1964 ist hier das Mu-seum der Sephardim (der Juden iberischer Herkunft) untergebracht.
Der schmale Raumkubus über rechteckigem Grundriss weitet sich in eine hohe Alfarje-Decke (offene Holzdecke mit flacher flechtwerkariger Ornamentik, trogförmig und mit Zugbalken). Der zum Teil gut, wenn auch nicht immer in seiner ursprüng-lichen Fabrbigkeit erhaltene Yesería-Schmuck (bemaltes Stuckwerk in der Tradition maurischer Dekorationskunst) der Wände steht stilistisch in engem Zusammenhang mit dem Alcázar-Palast in Sevilla. Pracht und Aufwand arabischer, jüdischer und christlicher Innenraumausstattung des spanischen Adelsgesellschaft des 14. Jahr-hunderts werden hier - wie sonst niergends in Zentralspanien - gegenwärtig. Die Südwand besitzt noch die Emporenöffnung für die vom Synagogengottesdienst aus-geschlossenen Frauen.



Überraschend farbige Decke

Die Stirnwand, durch Rahmen in drei Rechteckfelder geteilt, ist mit Ranken- und Rautenmuster gefüllt. Drei zierliche Zackenbögen öffnen sie im mittleren Teil. Ein ornamental ausgebildetes Fries mit Stalaktitenmotiven bildet darüber ein breites Band. Auf dem sitzt, auch in den anderen Wänden, eine Blendarkadengallerie direkt unter dem Dachstuhl.
In der Synagoge und ihren Nebenräumen ist das Museum für spanisch-jüdische Kultur untergebracht. Es zeigt Inschriften, Handschriften, Grabsteine und Kultge-genstände.



Detail von der Stirnwandgestaltung

Alcázar /Bürgerkriegsmuseum
Schon die Römer errichteten auf dem die Stadt beherrschenden Punkt ein Kastell. Westgoten, Mauren und die christlichen Könige behielten durch elf Jahrhunderte hindurch diesen Platz als herrschaftliche Residenz bei. Die mittelalterliche Burg der kastilischen Herrscher des 13. Jahrhunderts, eine Vier-Flügel-Anlage mit Ecktür-men, liess Karl V. unter der Aufsicht seines Sohnes Philipp II. 1537 nach Plänen des Hofarchitekten Alonso de Covarrubias erneuern. Als Festung wurde der Alcázar in Kriegen bis ins 20. Jahrhundert immer wieder stark zerstört, 1936 während der 70tägigen Belagerung durch die Rotgardisten fast vollständig. Nach dem Wiederauf-bau wurden die Untergeschosse 1964 als Bürgerkriegsmuseum eröffnet.
Die Grundstrukturen des alten Alcázars blieben bei den Baumassnahmen des 16. Jahrhunderts erhalten. In der Gliederung der Fronten, der Betonung der Nordseite als Fassade mit Schaufront und im Ausbau des Hofes dringen aber italienische Renaissance-Vorstellungen ein. Der doppelstöckige Arkadenhof in klassischen Pro-portionen ist das Werk von Covarrubias, der sich dazu von Serlio inspierieren liess und damit die italienische Hochrenaissance nach Spanien brachte. Die Fassaden-Gestaltung ist nicht einheitlich, so dass der Alcázar von jeder Seite ein bisschen anders aussieht. - Zu empfehlen ist die Cafeteria der Bibliothek im obersten Stock, nicht nur, aber auch wegen der fabelhaften Sicht über die Stadt.



Am höchsten Punkt von Toledo ergebt sich der Alcazar

Palacio Arzobispal
Der bischöfliche Palast aus dem Mittelalter diente bis ins 19. Jahrhundert dem Erzbischof von Toledo als Residenz. Die Fassade zur Kathedrale hin schuf Alonso de Covarrubias im 16. Jahrhundert. Freilich erfuhre sie im 17. und 18. Jahrhundert ver-schiedene Änderungen. 1939 brannte das Gebäude zur Gänze aus. Es wurde in den folgenden Jahren nach den alten Plänen wieder aufgebaut.



Eingang zum erzbischöfliuchen Palast: der Kardinnalshut ist nicht zu übersehen

Ayuntamiento
Das Rathaus wurde ursprünglich von Juan de Herreras im Jahre 1575 entworfen. Die lange Bauzeit bis 1703 brachten aber viele Planänderungen. Von de Herreras stammt nur noch das Sockelgeschoss aus Quadersteinen. Die «Belle Etage» ist hingegen das Werk von «El Mozo» (Nicolás de Vegara). 1613 bis 1614 hat Jorge Manuel Theotocóopuli, der Sohn El Grecos, das räumlich-plastisch gegliederte Obergeschoss nach eigenen Plänen ausgeführt. Die Turmaufbauten sind schliess-lich barocke Zutat nach Plänen von Teodoro Ardemans. Das Gebäude wirkt trotz unterschiedlicher Architekten recht einheitlich und strahlt Elegenaz und Repräsenta-tion aus.



Trotz mehrerer Architekten ein einheitliches Bauwerk

Hospital de Santa Cruz
Das ehemalige Krankenhaus ist eine Stiftung des Toledaner Erzbischofs Pedro Concáles de Mendoza, Titularkardinal von Sante Croce in Gerusalemme in Rom. Als Architekt begann Enrique Enas 1504 zusammen mit seinem Bruder Antón mit der Planung. Gegen Ende der Bauzeit übernahm der uns bekannte Alonso de Covarrubias die Fertigstellung. 1514 konnte das Gebäude bezogen werden.
Der Grundriss des Spitals in Form eines griechischen Kreuzes ist eine Anspielung auf den Stifter. Von den in den Winkeln der Krankenhaustrakte vorgesehenen Innenhöfen wurden nur zwei im Osten und ein kleiner im Westen ausgeführt.
Die Fassaden sind noch sehr rudimentär gestaltet. Einzig jene zum Eingang erfährt eine Auszeichnung: Die rundbogige, von einem Auszug überhöhte Renaissance-Pforte ist der Wand «aufgelegt». Die zwischen den Säulen übereinander platziereten und in den Archivolten umlaufend eingefügten Figuren zeugen ebenso vom Wei-terwirken spätgotischer Architekturvorstellungen wie die senkrechte Überführung des äusseren Portalbogens durch Abknickung zum retabelartigen Auszug. In den Einzelformen und in der Ornamentik werden dagegen Renaissance-Motive rezipiert. Im Ganzen handelt es sich hier um ein charakteristisches Beispiel plateresker Kunst. Portal und Auszug besitzen je eine szenische Darstellung. Im Tympanonen kniet der Stifter vor der heiligen Helena und dem Kreuz, im Auszug begegenen sich Joachim und Anna vor der goldenen Pforte und erfahren dabei Heil, was symbolhaft für die hier Eintretenden gedeutet werden kann. Zwei platerske Fenster flankieren den Auszug. Darüber grenzt eine Gebälkzone den unteren Gebäudeteil vom darüber liegenden Giebel ab. Säulen und ein grosses Wappenschild schmücken ihn.



Eingang zum ehemaligen Spital

Das Innere wird durch zwei lange, im wesentlichen kaum gestaltete zweistöckige Bettenhallen gebildet, die sich in einer offenen Vierung kreuzen. Sie stellt den einzigen besonders betonten Bauteil dar: Gedrückte Korbbögen steigen über reich profilierten Eckpfeilern im Erdgeschoss und über Eckkonsolen im Obergeschoss auf. Einfache Mudéjar-Holzdecken wölben mit Ausnahme des Eingangsbereichs (gotisches Gewölbe) alle Raumteile, wobei die Vierung mit einer besonders Reichen ausgezeichnet ist. - Von den Kreuzgängen verdient der Südöstliche besondere Er-wähnung. Er besteht aus zwei übereinander liegenden Arkadenumgängen, die von weitgespannten Korbbögen über zierlichen toskanischen Säulen in hellem Sandstein gebildet werden. Eine Balustrade mit Gittermuster schützt im Obergeschoss vor Fehltritten. Im Südosten öffnen drei innere Arkaden den Zugang zum Treppenhaus. Die dreiläufige Treppe ist ein Werk Covarrubias' und stellt einen Höhepunkt in seinem Schaffen dar. Proportionale Ausgewogenheit und dekorative Anwendung des Formenrepertoires der Renaissance verbinden sich zu einem harmonischen Zusam-menspiel.



Einer der drei Kreuzgänge: der südöstliche Innenhof

Museum: Das Museum, das fast ausschliesslich Objekte von und um Toledo zeigt, gliedert sich in drei Abteilungen: Archäologie (mit römischen, westgotischen und arabischen Fundstücken sowie mit solchen im Mudéjar-Stil), Schöne Künste (Malerei, Skulpturen, Tappisserien des 16. und 17. Jahrhunderts) und Kunsthand-werk (Goldschmiedekunst, Waffen, Möbel, Porzellan). Besonders sehenswert sind die ausgestellten Gemälde von El Greco, die grossen Wandteppiche sowie die Sammlung Carranza (Keramik), die einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden.

Plaza de Zocodover und Calle de Comercio
Ganz in der Nähe des Hospital de Santa Cruz liegt die Plaza Zocodover. Hier war zu maurischen Zeiten der arabische Markt angesiedelt. Von diesem Platz führt die Cal-le de Comerecio in die Altstadt hinein. Sie zählt neben der Calle de Santo Tomé, der Calle del Cardinal Cisneros und der Calle de la Ciudad zur beliebten Einkaufs- und Bummelzone.



Calle de Comercio mit dem Turm der Kathedrale im Hintergrund
 
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