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Burgenfahrt 2015 nach Fischingen TG




Fischingen TG mit Sicht auf das Kloster mit der Idda-Kapelle

Programm


07.30 h  Besammlung in Stans
07.40 h  Abfahrt. Reise über den Hirzel, Rapperswil, Wald und Steg auf di Hulftegg
09.30 h  Ankunft: Kaffee und Gipfeli im Pass-Restaurant (bei schönem Wetter auf
              der Terasse)
10.15 h  Weiterfahrt nach Fischingen
10.30 h  Ankunft beim Kloster Fischingen
10.35 h  Führung im äussern Klosterbezirk mit Direktor Werner Ibig (Nutzung der
              Anlage gestern und heute) 
11.45 h  Besuch der Mittagshore in der Katharina-Kapelle (fakultativ), Apero im
              Innern Klosterhof
12.30 h  Mittagessen im Kloster-Restaurant
14.00 h  Führung im Konvent mit P. Leo Gauch, OSB (Geschichte, Spiritualität,
              Kunst, Architektur, Wallfahrt )
15.15 h  Kaffeepause, Möglichkeit zu einem Dorfrundgang (schöne Riegelhäuser)
16.15 h  Besammlung beim Bus und Fahrt über Zürich nach Stans
18.20 h ca. Ankunft in Stans


Tannzapfenland

Die Region «Tanzapfenland» umfasst die thurgauischen Gemeinden Bichelsee-Balterswil, Eschlikon, Fischingen, Rickenbach, Sirnach und Wilen. Sie gehört zum Hinterthurgau und bildet dessen südlichsten, höchstgelegenen Teil und reicht bis zum Dreikantonestein, wo sich die Stände Zürich, Sankt Gallen und Thurgau geografisch treffen. Wegen des prozentual zur Fläche hohen Anteils an Nadelwald wird das Gebiet im Volksmund «Tannzapfenland» genannt.



Der dominate Nadelwald umgibt auch Fischingen


Das Benediktinerstift in Fischingen

Geschichtliches
Die Abtei wurde auf Anregung der Herren von Toggenburg 1133-1138 durch Bischof Ulrich II. von Konstanz gegründet und mit Mönchen aus Petershausen D besiedelt.
Die Abtei blühte besonders im 17. und 18. Jahrhundert, 1848 kam es zur Klosterauf-hebung. Wiederbelebung 1977 durch Benediktiner aus dem Kloster Engelberg. Ursprünglich war Fischingen ein Doppelkloster, sein Frauenkonvent wurde aber spätestens 1410 aufgelöst. Jedenfalls erstand es nicht wieder, als die 1410 durch die Zürcher nieder-gebrannt Anlage wieder hergestellt wurde. Heute gehören die ältesten Teile der Anlage dem 16. Jahrhundert an.

Die verschiedenen Baukörper der Klosteranlage
Sie erschliesst folgende Gruppierungen:
1. Kirchturm von 1587, durch Jakob Grubenmann 1727 und nochmals 1751 erhöht.
2. Klosterkirche von 1687, die 1752 um Oberen Chor und Sakristei erweitert wird.
3. Im Winkel von Turm und Gotteshaus die von 1704 bis 1708 errichtete Sankt
    Iddakapelle
.



4. Altkloster (West-Flügel): An die Kirche schliesst sich der Abt-Brunner-Bau von
    1635 an, der im Süden über das ursprüngliche Geviert hinaus greift und im
     Innern die St. Katharinen- und die Prälaten- oder Armenseelenkapelle birgt.
5. Neukloster: erbaut 1753 bis 1765: Zur Ausführung gelangten die Trakte vom
    NO-Risalit (Bibliothek) über den Südflügel mit Querhaus (Iddasaal, Hauskapelle)
    bis zur Prälatur im SW-Risalit; der alte Westflügel blieb bestehen.

Klosterkirche
Gestiftet von der thurgauischen Landschreiberfamilie Reding von Biberegg und ausgeführt in den Jahren von 1685 bis 1687, vermutlich nach Plänen von Caspar Moosbrugger. 1704 bis 1708 Anbau der St. Iddakapelle, 1753 Verlängerung um
den oberen oder Psallierchor durch Johann Michael Beer von Bildstein. 1795 Umgestaltung des unteren Chores (Arkadeneinbau) nach Plänen des Abtes
Augustin Bloch. Restauriert 1883 bis 1887, 1955 bis 1957 Innenrestaurierung,
bei der die ursprüngliche Fassung der Raumschale, der Gitter und der plasti-
schen Ausstattung nach Befund re- konstruiert wurde. Erneute Restaurierung 2005/2006.
Die Fassade mit erneuertem Vorzeichen zeigt sich schlicht, in seinem Schirme
ist das toskanische Portal aus geschliffener Nagelfluh mit Wappen der Kirchen-
stifter Reding von Biberegg sowie die Schnitzwerktüre von Chrysotimus I. Fröhli geschützt.



Einfache Kirchenfassade, links St. Idda-Kapelle

Das Langhaus besteht aus fünf Jochen, die tonnenüberwölbt und mit Scheitel-
rosetten geschmückt sind. Ionische Pilaster gliedern die Seitenwände. Über dem Eingangsbereich befindet sich eine von Arkaden getragene Empore. Auf der
Nordseite öffnet ein Arkadentrio mit stuckierter Scheinfassade den Blick zur Idda- kapelle.
In den Chor wurden 1795 klassizistische Emporen-Arkaden gestellt, die von acht
lebensgrossen, steingefassten Statuen und Vasen aus Stuck gekrönt sind. Das
Louis-XVI-Stuckwerk am Tonnengewölbe des unteren Chores stammt möglicher-
weise von Johann Josef Moosbrugger, das Deckengemälde mit der Darstellung
von Maria Himmelfahrt (1795) von Joseph Anton Messmer.
Hinter der Altarwand befindet sich die Sakristei, deren Schranktüren mit Kloster-
veduten in Blaumalerei geziert sind. Über der Sakristei liegt der Psallierchor. Jo-
hann Jakob Zeiler bemalte 1761 dessen Wände und die zentralisierende Hänge-
kuppel: seitlich den hl. Josef und eine Immaculata, am Deckenspiegel in Kar-
tuschen-Rahmung von Mel- chior Modler die vier Evangelisten und, am Rande
eines exzentrischen Heiligenhim- mels mit der Verherrlichung des hl. Benedikts,
die Personifikation der vier damals bekannten Erdteile. Architektonische Ver-
satzstücke vermögen die illusionistische Brücke zwischen wirklicher Architektur
und den weiten perlmutfarbenen Wolkenrängen herzustellen. Seitlich der Wap- penkartusche (Kloster und Abt Nikolaus Degen) hat Modler sein Selbstporträt hingemalt.



Blick in den 1795 klassizistisch umgestalteten Chor mit Abtsthron

Ausstattung: Chor und zwei Arkaden zur Iddakapelle werden von zwei pracht-
vollen Régence-Gitter abgeschlossen, 1743 geschmiedet von Jakob Hoffner aus Konstanz. Das Chorgitter ist scheinperspektivisch angelegt und besitzt ein reiches Band- und abstraktes Blattwerk, an der Schauseite über Gold und Silber bunt
gelüstert. Auf dem Hochaltar steht ein Tabernakel von Br. Heinrich Degrange,
1795. Der Scheinretabel in einfachsten Formen besetzt seit 1957 die Chorrück-
wand. Das ursprüngliche Hochaltarbild von Johann Michael Hunger, den Tod
Mariens darstellend, wurde damals an die Südrückwand des Schiffes versetzt.
Es besitzt trockene manieristische Züge in Anlehnung an lombardische Vorbilder. Priestersitze und Chorschranken stammen von Br. Heinrich Degrange. Die Seiten-altäre sind den schräg gestellten Stirnnischen der Arkaden und ihrer Stuckdekora-
tion eingefügt. Ihre Altarbilder: Der heilige Dominikus erhält den Rosenkranz ver-
liehen (um 1700), der hl. Simon das Skapulier (1884, von Franz Müller). Im Schiff sehen wir als opulente Naturholzschnitzerei die Kanzel von Chrysotimus Fröhli, in
der ersten Arkade der Schiffsnordwand der doppelseitige St. Idda-Grabaufbau mit pathetischer Sitzfigur der Heiligen (um 1700) in altarähnlichem Aufbau mit Lapis-
lazuli imitierenden Säulen und glänzenden Krönungsfiguren (hl Cäcilia und hl. Deme-
trius). An der Brüstung der West-Empore ist ein von vergoldeten Akanthusfedern gerahmter Idda-Zyklus zu sehen, gemalt vielleicht vom vom Zuger Johannes Brandenberg, um 1690, in der Mitte ein kleines Brüstungs-Positiv derselben Zeit
mit dreiteiligem Prospekt. Die Psallierchororgel im oberen Chor wurde 1763 durch Johann Georg Aichgasser aus Teilen älterer Werke (1690/1705 Johann Matthäus Abbrederis, 1736/50 Johann Jakob Bommer) zusammengestellt und 1956/1957



Mönchs-Chor mit Psalier-Chororgel und Chorstallen über der Sakristei

weitgehend erneuert; sie umfasst heute noch viel ursprüngliches Pfeifenmaterial
von hervorragender Klangschönheit. Gehäuse und Prospekt bunt flammend mar-
moriert mit vergoldeten Krönungs-Rocaillen, Ziervasen und Posaunenengeln. Die beiden eingebauten Vorstehersitze stammen von 1761, während die beiden Dop-
pelreihen des 44-stalligen Chorgestühls 1687 in der Werkstatt des Chrysotimus
Fröhli entstanden sind und 1762 dem neuen oberen Chor eingepasst wurden. Die Rückwand wird mit säulengetrennten Statuen-Nischen, die Front von Hermen-Karyatiden gegliedert, Figuren verschiedener Herkunft und Alters in Silber, Gold
und Elfenbein gefasst. Knorpelwerk, Fruchtbündel, Engelsköpfe, Löwen usw.

Iddakapelle.
Die Kapelle ist eine der wohlgeformtesten Zentralbauten des schweizerischen
Hochbarock. Sie ersetzt eine spätgotische Anlage, die zwei Mal, 1595 und 1625, erweitert worden ist. Der heutige Bau wurde nach italienischen Architektur-
vorbildern, aber in den weicheren Formen des süddeutschen Barocks 1705/1708
von Christian Huber errich- tet, wobei Einflüsse von Caspar Moosbrugger nicht auszuschliessen sind. Die Disposit- ion der Innenausstattung stammt vom jungen Dominikus Zimmermann; er hat auch bei deren Verwirklichung mitgewirkt. Restau-rierung von 1962 bis 1968.



Blick in die Schein-Kuppel der St. Idda-Kapelle

Unter einer 16,8 m hohen Scheinkuppel öffnet sich ein achtseitiger Zentralraum
mit breiten Kreuzarm-Flügeln und schmalen Diagonalräumen, die den sperrigen
Kreuzgrundriss verschleifen. An den Gelenkstellen stehen aussen in lachroter und weisser Farbe  gehaltene Pilaster, die innen mit roten Stuckmarmorsäulen korres-
pondieren. Über den Rundporten der Diagonalkapellen sind grossovale Okuli an-
gebracht; sie sorgen für eine indirekte Lichtführung. Oberhalb der die Verbindung
zum Kirchenschiff schaffenden drei Arkaden zieht sich eine schmale Empore hin,
auf der eine Brüstungs-Orgel der Firma Metzler (1967) aufgestellt ist. Der sehr stark modellierte Wand- und Deckenstuck von Joseph Resch aus wessobrunn säumt
an den Hochwänden vier ova- le Leinenbilder mit Idda-Darstellungen (1707) sowie
das Deckengemälde (hl. Idda in der Verklärung zeigend): die Rahmen sind grau gemalt, die Ranken weiss auf span- grünem oder oder umgekehrt grün auf weissem Grund, dazu ein stumpfes Blau. An den schmalen Diagonalwänden sind über vier konventionell gemalten Heiligen-bildern (Cäcilia, Agatha, Katharina und Barbara) die Figuren der vier grossen Ordensstifter in Nischen untergebracht.



Inneres der St. Idda-Kapelle mit dem Hochaltar

Von den sieben Altären stammen sechs Stuck-Retabel aus der Werkstatt von
Dominikus Zimmermann; zwei davon zeigen vorzügliche Scagliola-Arbeiten Blu-
men am Josefsaltar und umkränzte Heiligenbilder sowie Landschaftsszenen am Idda-Altar. Von ihnen ist eine mit «Wickhard aus Zug, 1708». Die Altarblätter
stellen dar: am Idda-Altar die Wiederauffindung der Heiligen (von Jakob Karl
Stauder, 1717), in den Diagona-kapellen eine Pietà und Jesus am Ölberg, in den beiden Seitenarmen St.-Nikolaus bzw. ein Schutzengelbild und in der Kapelle
gegen gegen den Turm der Tod des hl. Josefs. Der Idda-Grabaltar von 1713 an der West-Wand besitzt einen virtuos geschnitzten, vergoldeten Federrankenrahmen
um die Darstellung «Tod der hl. Idda». Kultisches Zentrum ist die kirchenseitige
Nische mit dem ursprünglich bunt gefassten Sandstein-Kenotaph der hl. Idda,
einem charaktervollen, um 1494 geschaffenen spätgotischen Sarkophag mit der Liegefigur der Heiligen. An der Front sieht man Wappen und eine Szene mit dem
Tod der hl. Idda. Das Gitterwerk vor demAltar schuf Caspar Wüest aus Frauenfeld (1714); es wurde von 1743 bis 1745 wurde durch Jakob Höffner aus Konstanz, überarbeitet. Der Aufbau des Idda-Grabes (1710 bis 1718) erinnert an Rosen-
kranz-Darstellungen: In neun bunt gefassten, von Goldranken umzogenen und geschnitzten Medaillons werden statt Szenen aus dem Leben Jesu solche aus
der Vita der hl. Idda gezeigt.  
Der kunstvolle Holzbaldachin nimmt die beiden Rücken an Rücken gestellten
Idda- Figuren aus dem frühen 18. Jahrhundert auf. Die zwei beim Altar auf-
gestellten, her- vorragend intarsierten Priestersitze wurden durch heimische
Tischler wohl nach Entwürfen von Dominikus Zimmermanns ausgeführt.



Darstellung der Idda-Legende mit dem mittelalterlichen Kloster Fischingen

Idda-Legende
Die Heilige, eine Gräfin von Toggenburg, wurde von ihrem Gatten böswillig der
Untreue mit einem Jäger bezichtigt und von der Burgzinne hinab in die felsige
Tiefe gestürzt. Wunderbar errettet, hauste sie zunächst als Einsiedlerin in einer
Höhle. Jede Nacht pflegte sie die Mette der Mönche in Fischingen zu besuchen,
wohin sie ein Hirsch mit zwölf Lichtern auf dem Geweih begleitete. Im Alter lebte
sie im Frauenkloster Fischingen, wo sie in ihrer Klause um das Jahr 1226 starb.

Kirchenschatz
Besonders zu erwähnen gilt es hier das gotische Baumkre  Reding-Kelch mit Email-miniaturen um 1687 von Johann Ignaz Ohnsorg; der Fugger-Kelch mit Relief- und Emailschmuck um 1700 von Johann Zeckel sowie der  Kelch des Josef Sax, um 1710, von Johann Ignaz Ohnsorg.

Altkloster
Das Altkloster blieb beim Neubau der übrigen Flügel erhalten, weil die hier geplante Repräsentativfassade aus ökonomischen Gründen nicht mehr zur Ausführung ge- langte. Zunächst der Kirche liegt der Abt-Brunner-Bau von 1577 mit einem Reststück des überwölbten Kreuzganges. Die Westfront wird vornehmlich durch die nachgoti- schen Reihen- und Staffelfenster sowie  von dem von den beiden Johannes flankier- ten Wappenstein des Bauherrn gegliedert.  Hofseitig haben sich Reste von Fassa-denmalereien erhalten. An den Bau von 1577 schliesst sich der Abt-Brunschweiler-
Bau von 1635 an, mit seinen Reihenfenstern und einer hübschen, aus einem
Sprenggiebelportal mit äbtischem Wappenstein und einem übergeordnetem Zwi- llingsfenster gebildeten Gruppe. In die Front eingebaut, aber polygonal in den Hof vorspringend, die 1998–2000 wiederbelebte St. Katharinenkapelle mit Gewölbe und Wandmalereiresten sowie die 1884 stark veränderte Prälaten- oder Armenseelen-kapelle: Maßwerk-Fenster, Zwillingsgewölbe mit erneuertem Spätrenaissancedekor. Im Wohnteil: Winterthurer Ofen um 1730/1740.

Neukloster
Erste Pläne stammen von Caspar Moosbrugger, die später weiter bearbeitet werden durch die Einsiedler Baumeistergruppe Johannes II. Rueff und Caspar Braun sowie durch Johann Caspar Bagnato. Ausgeführt wurde jedoch in den Jahren 1753 bis 1765 erst der von Johann Michael I. Beer von Bildstein nochmals modifizierte Plan. Restaurierung 1962–1971 (Südflügel), 1981–1982 (Ostflügel) und 1996–1998 (Priorat und Prälatur, SW-Risalit).



Gang im Neukloster

Äusseres
Dreigeschossige Verbindungstrakte mit Giebeldächern zwischen viergeschossigen Eckpavillons unter Mansarddächern. Der Ostflügel ist durch einen entsprechenden Treppenhausrisalit unterteilt, der Südflügel von einem weit ausgreifenden Querbau mit geschwungener Front durchdrungen. An ihm wie am südwestlichen Eckbau ist eine grosse Pilaster-Ordnung angebracht. Die Türen von Priorat und Prälatur sind hervorragend mit Ornamentik, Vögeln, Blumen, Genreszenen und Soldateska intarsiert und besitzen reich gravierte Messingschlösser.

Inneres
Im Erdgeschoss der Prälatur befindet sich die die ehemalige Kanzlei mit einer Rokokostuckdecke und einem Steckborner Turmofen der Meyer-Kuhn-Werkstatt 1756–57. - Das Täfer des Wappenzimmers ist mit den Wappen der Fischinger Äbte dekoriert, die Decke zum Teil mit gemaltem, zum Teil mit wirklichem Stuckschmuck überzogen. - Das ehemalige Archiv besitzt ein reich ornamental ausgemaltes Gewölbe



Das Klosterarchiv

(klösterliche Herrschaften) sowie die noch original beschrifteten 180 Ar-chiv-Schubladen und eine Türe mit illusionistischer Arkade und Parklandschaft. - In den Obergeschossen sind gemusterte Parkette sowie virtuos geformte Rocaille-Decken und flammend marmorierte Möbel von bestechender Polychromie anzu-treffen, ferner ein Turmofen 1757 von Johann Caspar Ruostaller und eine die Dreikönigstafel, die von einem vermutlich schwäbischen, vielleicht in den Nieder-landen geschulten Meister stammt, um 1470–80. – Die Abtskapelle hat einen quadratisch gemusterten Parkettboden und gute, wie in der Prälatur der Gigl-Schule nahestehende Stuckaturen am flachen Kreuzgewölbe dazu einen Stuckmarmoraltar und buntsträhnig marmorierte Türen. Alles um 1757. - Im 1. Obergeschoss des Südflügel-Querhauses befindet sich der Idda-Saal mit den vom Meister der Prie-stersitze in der Iddakapelle reich intarsierten Möbeln. Ferner sind hier Kopien der Abtporträts anzutreffen. Hier, und im ehemaligen Gastsaal (heute Hauskapelle), trifft man auf spritzige Deckenstuckaturen, eine Altargruppe um den ehem. Drehtaber-nakel des oberen Chores, ein pathetisches Vesperbild aus der 2. Hälfte 17. Jahr-hunderts, ein  fünfregistriges Portativ  von Johann Jakob Baumer, 1727, mit intar-siertem Gehäuse (Blumen, Musizierende) sowie dem Wappen des Abtes Troger.



Zweistöckige Klosterbibliothek

Die ehemalige Bibliothek beansprucht zwei Geschosse und besitzt eine umlaufende Galerie sowie ein von flacher Randzone umzogenes, stuckiertes Muldengewölbe. Die originalen Bücherregale sind noch vorhanden. Sie weist einen umfangreichen Bestand an religiösen Bildern und Altarblättern auf: aus dem 17. Jh. u. a. hl. Karl Borromeo, 1610, hl. Tekla, Befreiung des Petrus, Kreuzigung, betender Eremit, Jesus am Jakobsbrunnen, Heilung eines Besessenen, Schmerzensmann; aus dem 18. Jh. u. a. Verkündigung (Anton Stark 1725), Eselsprobe des hl. Antonius, Heili-genhimmel (Zeiller-Werkstatt um 1760), hl. Peregrin, Todesvision des hl. Franz von Assisi, Immakulata-Vision des hl. Ildefons, hl. Ambrosius; Serie von 1777: die hll. Meinrad, Gallus, Ildefons und Idda. Ikonographisch interessante Darstel-lungen des sel. Heinrich Pfrintz von Gerlikon (Georg Müller 1608), der sel. Offmyra von Münch-wilen und der sel. Adelheid von Spiegelberg (Hans Ulrich Rysse 1679).

Die heutige Nutzung des Klosters
1848 wurde das Kloster vom Thurgauer Grossen Rat aufgehoben. Kirche sowie die St. Iddakapelle gingen an die Katholische Kirchgemeinde Fischingen über, die rest-lichen Gebäulichkeiten kaufte 1852 ein Textilindustrieller, der darin eine Jacquarwe-berei einrichtete und eine internationale Handelsschule unterbrachte. 1879 kaufte der Verein St. Iddazell das Kloster, um darin eine Waisenantsalt unterzubringen. Diese entwickelte sich weiter zur Erziehungsanstalt mit Kinderheim, später zur Son-derschule. Diese zog 1976 aus. An deren Stelle nutzt heute die Realschule St. Id-dazell mit angeschlossenem Internat die Räumlichkeiten. Die Wiedererichtung des Klosters  als Priorat mit sechs Patres aus Engelberg erfolgte im Jahr 1977. 1982 erfolgte im Ost- und Südflügel die Eröffnung des Seminarhotels.
Heute betreibt der Verein neben Hotel und Schule in den Kloster-Räumlichkeiten ein Restaurant und eine Schreinerei, ferner unterhält er ein eigenes kulturelles Angebot mit Konzerten auf hohem Niveau. Als Mieter finden wir zudem eine Brauerei und eine Töpferei.

Aus: Kunstführer durch die Schweiz, hrsg. von der Schweizerischen Gesellschaft für Kunstgeschichte, Bern 2001, S. 605-609. Text von Cornelia Stäheli. - HLS, Arikel Kloster Fischingen, verfasst von Benno Schildknecht.



Die Weihnachtskrippe von Karl Ueliger im Kloster



Teilansicht der Weihnachtskrippe von Karl Uelliger

Seit dem 5. Dezember 2004 ist  die Weihnachtskrippe von Karl Uelliger ganzjährig im Benediktinerkloster Fischingen aufgestellt, Die grosse Vitrine mit den 123 ge-schnitzten Holzfiguren befindet sich Im Erdgeschoss-Korridor des Ostflügels der Anlage. Sie ist tagsüber frei zugänglich.

Karl Uelliger
Der Schöpfer der Figuren ist der Toggenburger Maler Karl Uelliger (1914-1993), der im Berner Oberland zur Welt kam. Seine Kindheit erlebte er als Verdingbub. Nach der Schulzeit verdiente er sich als Senn, Holzfäller und Gelegenheitsarbeiter den Lebens-unterhalt. In Kilchberg ZH, wo er seit 1949 als Hausbursche in der psychi-atrischen Klinik diente, lernte er Hanna Montfort kennen. Sie war hier als «Glätterin» tätig. Die beiden heirateten 1950; ihre Ehe blieb kinderlos.
Schon immer hat Karl Uelliger neben seiner Arbeit gemalt. Doch erst als seine Frau 1957 die Leitung der Kantine in einer Stickerei in Heerbrugg SG übernehmen konn-te, wurde es ihm möglich, sich ganz der Kunst zu widmen. Als Erstes schuf er gegen 70 «Jugendbilder», also Bilder aus der Zeit, als er er mehrere Sommer als Älpler auf den Bergen verbracht hatte. 1962 kam es zu ersten Ausstellungen. 1968 konnte das Paar ein altes Bauernhaus im toggenburgischen Dicken bei Deggersheim SG kau-fen, dessen Fassaden er mit Monatsbildern und die Fensterläden mit Geschichten bemalte.

Der Künstler
In den folgenden Jahren war Karl Uelliger bis zu seinem Tod 1993 sehr kreativ. Neben der Malerei schuf er Werke in den Bereichen Zeichnen, Holzschnitt, Skulptur und Ill- ustration. Seine vier Kinderbilderbücher mit Goldi erfreuten viele Kinderherzen. Darin erzählt er wie ein Bub immer wieder im Träumen aus der Realität des Lebens ausbricht und dabei mit Bäumen, Vögeln und der Sonne ins Gespräch kommt.



Der Künstler mit einen Selbstportät als Geschenk an der Krippe

Die Figur des Goldi ist der Schlüssel zum Verstehen der Werke Uelligers. In einem Radio-Interwiew sagte er kurz vor seinem Tod über sich: «Ich bin selber ein Stück weit ein Goldi. Wenn ich unterwegs bin auf meinen Wanderungen bin ich nie allein; entweder pfeift mir ein Vogel ein Lied oder der Wind bewegt die Tannen, dass es aussieht, wie wenn ihre Wipfel mit ihren Hin- und Her-Bewegen für mich tanzen würden. Doch schon bald lenkt mich ein uralter Rabe ab, der mit seiner heiseren Stimme der Luft als seiner Mutter ruft; im Vorwärtsgehen stosse ich dann plötzlich auf ein wunderbares Wolkenbild, das mich faszinierend in seinen Bann nimmt. Und so geht das auf meinen Wanderungen weiter. Ich suche nichts, es ist einfach da, ich finde es einfach.»

Uelligers grosse Weihnachtskrippe
«Einfach da» waren auch die Figuren zu einer grossen Krippe. Jeweils während der Adventszeit vertauschte Karl Uelliger den Pinsel mit dem Schnitzwerkzeug. Im Holzschopf holte er sich das Rohmaterial, aus dem er im Verlaufe von 25 Jahren 123 Figuren schnitzte und anschliessend bemalte. Dabei entstanden ausdrucksvolle Frauen und Männer mit sehr markanten, unverwechselbaren Zügen. Am Heiligen Abend stellte er sie um den Kamin auf, eng aneinander geschmiegt, damit alle Platz fanden.



Die hl. Familie

Im Blatt, das im Kloster Fischingen neben der Krippe aufliegt, heisst es: «Karl Uelli-ger sieht im Weihnachtsgeschehen nicht nur die für uns gewohnte Heilige Familie mit Engeln, Königen, Hirten, Ochs und Esel im Stall zu Bethlehem. Seine Darstel-lung zeigt die Welt umspannende Ausstrahlung, die Kraft und Bedeutung der Geburt Christi. Niemand kann sich diesem Ereignis entziehen. Es bringt die ganze Welt in Bewegung: den Holzhauer und den Sennen, den Heuträger und den Käser, die Imkerin, die Bäckerin, die Frau mit dem Kind im Arm und den Briefträger – ja sogar Sonne, Mond und Sterne, die Wolken und der Globusträger sind am Geschehen beteiligt, das offensichtlich nicht nur die Erde bewegt, sondern das ganze Univer-sum. Niemand und nichts bleibt unberührt. Kein Wunder, herrscht darum ein Ge-dränge in Bethlehem. Alle wollen das Jesuskind sehen und beschenken. Der Künstler selbst bringt dem Jesuskind ein Bild, seine Frau Hanna schenkt ihm Honig. - Diese eher ungewohnte Form einer Krippe entspringt der tiefen Religiosität und Spiritualität Karl Uelligers. Er beschränkt sich nicht auf die harmonisierte Darstellung der Heiligen Familie, sondern stellt das universelle Ereignis der Geburt Christi mitten in den Alltag seiner kleinen Welt. Die Vorbilder dafür nahm er aus seinem Umfeld und schnitzte Persönlichkeiten aus seiner Heimat, dem Toggenburg.»
Nach dem Tod des Künstlers blieben die Figuren zuerst im Haus Uelligers aufge-stellt. Seine Witwe machte sich aber Gedanken, was mit ihnen nach ihrem Ableben geschehen würde. Sie sah sie schon in alle Winde zerstreut. Sie aber wollte, dass die Krippe als Gesamtkunstwerk beieinander blieb und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würde. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe wurde sie im Kloster Fi-schingen fündig. Man wurde sich bald einig. Hanna Uelliger suchte sich den künf-tigen Ort des Aufstellens aus und stiftete die Vitrine mit der stufenförmigen Anlage im Innern. Dadurch liessen sich die Figuren ähnlich eng platzieren, wie sie einst um das Kamin im Wohnhaus des Künstlers gestanden sind. 
Um die Krippe von Karl Uelliger in ihren ganz unterschiedlichen Facetten erfassen und bewundern zu können, braucht es Zeit. «Zeit zum Sehenlernen, Zeit zum Ste- henbleiben und Zeit zum Staunen». Das war es auch, was der Künstler in seinem Interview vom 16. April 1993 allen Menschen wünschte.

Aus: GLORIA. Zeitschrift der Schweizerischen Vereinigung der Krippenfreunde, Heft 62 (2014/2), S. 38-43. Text von Hansjakob Achermann


Fischingen

Fischingen ist die südlichst gelegene Gemeinde des Kantons Thurgau. Sie zählt heute rund 2500 Personen und setzt sich seit 1972 zusammen aus den Ortsge-meinden Au, Dussnang, Fischingen, Ober-wangen und Tannegg. In Fischingen liegt mit 991 Metern über Meer der höchste Punkt des ganzen Kantons.

Dorfkern
In erster Linie zu erwähnen sind drei Gebäude an der Hauptstrasse (Nrn. 32, 34 und 51). Hier handelt es sich um stattliche Riegelhäuser des 18. Jahrhunderts, zum Teil mit Fensterwagen und Zugläden geschmückt. Daneben finden sich auch noch ein paar sehenswerte Häuser aus dem 19. Jahrhundert an dieser Strasse.
 
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Historischer Verein Nidwalden c/o Staatsarchiv, Stansstaderstrasse 54, 6371 Stans, info@hvn.ch, www.hvn.ch  
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