Zur Startseite...

 

   

2008 Kultur- und Wanderreise nach West-Andalusien

Auf unserer Reise nach West-Andalusien besuchten wir die Provinzen Sevilla, Cádiz, Huelva sowie den westlichen Teil der Provinzen Córdoba und Málaga.

Aus dem Programm

Blick von Ronda zurück in die Berge

Ostermontag, 23. März 2008: Ronda - Nach dem Direktflug nach Málaga, der Begrüssung von Cristina und Paco (Bus-Chauffeur) fuhren wir in einem komfortablen Car zum Parador am Meer, um dort die Frühlingssonne, das Begrüssungsapero unter freiem Himmel und anschliessend das reichliche spanische Mittagessen zu geniessen. Dann ging es zuerst der Costa del Sol entlang, um später in die landschaftlich reizvolle, hügelige Region der Sierra Bermeja abzuzweigen. In Ronda machten wir einen Rundgang zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten durch den von den Touristen am häufigsten aufgesuchten Ort mit seinem berühmten Wahrzeichen, dem Puente Nuevo. Am Abend erkundeten wir individuell die Stadt und entdeckten abseits der Touristenströme viele schöne Winkel.

 

Puente Nuevo in Ronda 

Dienstag, 25. März 2008: Pueblos Blancos - Fahrt nach Grazalema, einem hübschen Pueblo Blanco, der wegen seiner Tuchwebkunst im 18. Jahrhundert zu Reichtum gekommen war. Die Häuser und Gassen geben davon heute noch Zeugnis. Nun ist der Ort Ausgangspunkt für viele Wanderungen. Nach der Überquerung des Puerto del Boyar mit schöner Aussicht begannen wir mit der ersten Wanderung von Benamahoma nach El Bosque entlang des gleichnamigen Flusses. Wir waren nicht die Einzigen. Eine Schulklasse war unter anderem auf demselben Weg. Wir sahen zum ersten Mal die Korkeichen, deren Stamm für die Flaschenzapfen entrindet werden. Viktor Weibel fasste die erholsame Wanderung zusammen:

Wandern

Es plätschert und gluckst
Vogelgezwitscher
Schulreisegekreisch
erstes Grün zart noch
und vorher die Korkeiche
nackt unten
entblösst für den Wein
zieh nächstens
aus Flaschen
andalusisches Gewächs
ich?


Stimmungsbild während der Wanderung entlang des Baches El bosque

Mittagsaufenthalt machten wir in Arcos de la Frontera, dem dritte Pueblo Blanco dieses Tages, das hoch auf einem Felsen liegt. Entsprechend anstrengend war der Anstieg. Doch die anschliessende Aussicht, die lauschigen Gassen, die Kirchen und Stadtpaläste entschädigten uns für die Mühen. Bereits suchten wir für das Mittagessen den Schatten auf.

Arcos

Gepflästerten Wegs
steil geht's bergauf
quietschend der Gummi
von Schuhen
lauter noch jener rollender Räder
steiler und steiler
Staunen lässt
Füsse vergessen
im Freien das Essen
gekocht gegenüber
um Centimeter kämpfend
die Autos
zuoberst darauf
paradorisch der sonnige Lohn
Sicht in die Weite
und pfeilschnell
herabschiessend die Falken
tief unten wuselnd ein Schafband
über all diesem thronend
Arcos die Weisse


Blick von der Terasse des Paradors in Arcos auf die Kirche St. Peter

Damit wir nicht zu früh in Jerez de la Frontera ankamen und weil es das Wetter so gut mit uns meinte, machten wir noch einen unvorhergesehenen Umweg durch eine liebliche Landschaft. Dann ging es in Jerez ins Uhren- und Spazierstockmuseum. 100 Stöcke und über 300 Uhren aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert waren zu bewundern, dezent beleuchtet in prächtigen Räumen.  Anschliessend bestiegen wir ein letztes Mal den Bus zur abendlichen Fahrt nach Cádiz an der Costa de la Luz. Unvergesslich bleibt die Farbenpracht, welche die untergehende Sonne hervorzauberte.

Betörende Stimmung beim Sonnenuntergang in Càdiz

Mittwoch, 26. März 2008: Cádiz - Wir unternahmen eine geführte Besichtigung durch die faszinierende Altstadt mit einer Schweizer Führerin. Der Besuch der Camera obscura, die uns eine fantastische Rundsicht vermittelte, beschloss die offizielle Besichtigung.

Blick auf die Türme von Cádiz

Individuell durchstreiften wir vor dem Mittagessen den Markt mit seinen Farben und Düften.

Markt

Es riecht und
krabbelt
Stimmengewirr
zersplittertes Eis
Glätte am Boden
Verhandeln
Verlocken und Preisen
und schleimig
kriechen die Schnecken
unwissend dass bald
im heissen Sude
sie pfeifen

Am Nachmittag stand der Besuch vom Museo de Càdiz auf dem Programm; anschliessend blieb genügend Zeit zu selbständigem Entdecken der vielen weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Donnerstag, 27. März 2008: Jerez de la Frontera - Nach Cádiz erwartete uns ein weiterer Höhepunkt in der königlich-andalusischen Reitschule (Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre) in Jerez. Doch zuerst besichtigten wir den Marstalls, bevor wir uns von der Kunst der Reiter und Pferde faszinieren liessen. Am Nachmittag spazierten wir durch die Stadt zum Alcázar.

Blick auf die Kathedrale von Jerez

Den Abschluss dieses Tages brachte ein Besuch der berühmten Bodega TIO PEPE mit Degustation. 

Fino

Genuss
leicht herb
im Mund durch die Kehle
wandernd
dem Mann
doch süsslicher wünscht es
die Frau

zu folgern daraus
er mag es herber
sie etwas sanfter
Weisheit des Sherry

Die Zeitreise durch die Geschichte des Unternehmens und des Finos öffete Herzen und Geldsack für den Kauf von Souvenirs. 
 

In Fino veritas bei Tio Pepe

Freitag, 28. März 2008: Barbate, Caños de Meca, Vejer de la Frontera - Wir fuhren nach Barbate, von wo wir eine Wanderung nach Caños de Meca durch Andalusiens besterhaltenen Schirmkieferwald, entlang einer spektakulären, bis zu 80 Meter hohen Steilkünste zu einem Aussichtspunkt auf den Cabo de Trafalgar (Seeschlacht von 1805) und weiter nach Caños de Meca machten. Sie bleibt uns in schöner Erinnerung. 

Costa de la Luz

Gleissend die Sonne
Tiefbläue des Himmels
sandstampfend des Wegs
beschattende Bäume
Flanke schützt
blühender Ginster
und steilbrüchig die Küste
weit draussen ein Boot
gemächlich ziehende Wogen
nur unten am Ufer
lautes Zerbersten

Wanderung entlang der Costa de la Luz

Das Mittagessen mit Fischspezialitäten im Freien unter einem grossen Sonnendach stärkte unsere Geister für den nachmittäglichen Besuch des auf einem Hochplateau liegenden Städtchens Vejer de la Frontera. Die engen, verwinkelten Gassen - oder war es der Wein - erschwerten die Orientierung, doch schliesslich fanden alle wieder zum Bus.

Hübscher Brunnen mit Azulejos in Vejer de la Frontera

Nach der Rückkehr bestand die Möglichkeit zum Einkaufen in Cádiz oder zum Geniessen der Annehmlichkeiten des Hotels.

Samstag, 29. März 2008: Carmona - Auf der Fahrt nach Aracena machten wir einen Abstecher nach Carmona. Auch dieses malerische Städtchen liegt leicht erhöht, mitten in der fruchtbaren Ebene der Campiña. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt wurden uns während der geführten Besichtigung näher gebracht. Wir stiegen auf Zinnen und bewunderten die Häuser und Kirchen, deren Türme schon an die Giralda in Sevilla erinnerten.

Blick auf St. Peter mit dem sevillianischen Kirchturm

Eine Hochzeit brachte das Programm etwas durcheinander, doch auch das ist Kultur. Die Roben der Frauen haben es uns angetan. Wer trägt den schönsten Hut?

Hütchenspiel

Stolzhäuptig
die einen
unsicher abwartend
die andern
Frauenparade
oben befiedert
benestet
beblümelt
verschleiert

Spieglein, Spieglein
sind Damen
die andern

Am Nachmittag fuhren wir durch eine idyllische Gegend ins Land der Schwarzfüssler (Schweine): die stark bewaldete Sierra de Aracena. Hier machten wir auf einem ehemaligen Landgut in der Nähe der Stadt Aracena Station, wo wir übernachteten und im angegliederten Restautant auch ein Abendessen einnahmen. Nicht bloss die ausgezeichneten kleinen Häppchen (Tapas) als Vorspeisen werden uns von hier in Erinnerung bleiben. 

Unser Logis im Grünen, eine Finca in der Nähe von Aracena

Sonntag, 30. März 2008: Aracena und Umgebung - Am Morgen unternahmen wir einen Spaziergang nach Aracena und besuchten dort eine der grössten unterirdischen Höhlen Andalusiens, die Gruta de las Maravillas; dann spazierten wir durch die Bergstadt hinauf zur Templerkirche, von wo man eine herrliche Rundsicht geniesst.

Nach dem Mittagessen war eine Rundwanderung zum Dorf Corteconception angesagt. Es waren, bis wir im Dorf ankamen, ein paar Regentropfen gefallen. Das hielt die Mehrheit nicht davon ab, nach dem Kaffeehalt den Rückweg zur Finca wieder unter die Füsse zu nehmen. Dabei liefen die einen zu schnell voraus und die Fotografen blieben zu weit zurück, was zu diversen Umwegen führte.

Irrlauf

Kartenlos
der Nase nach
Fotografen verführend
Natur
weg vom Weiser
gewiesen
Richtung verfehlt
funklochvereinsamt
wiedergefunden
die andern verloren
endlich vereint
heim doch noch
gefunden

Dank Mobiltelefon kamen aber doch schliesslich alle wohlbehalten in unserer Unterkunft an, allerdings hatten einige ein paar Kilometer mehr in den Beinen als vorgesehen. Umso besser schmeckten Apero und Nachtessen.

Montag, 31. März 2008: Sevilla, 1. Tag - Wir fuhren heute zurück durch intensiv grüne Hügellandschaften in die Ebene von Sevilla. Mit seinen vielen prächtigen Baudenkmälern aus verschiedenen Epochen bildete Sevilla sicher den Höhepunkt unserer Reise. Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Altstadt besuchten wir mit einer charmanten Führerin die prächtige Kathedrale mit Giralda (Turm) und Orangenhain.

Alte Ansicht auf die Giralda, den Turm der Kathedrale

Am Grab des Kolumbus in der Kathedrale erzählte sie uns, dass es zwischen Santo Domingo (Dominikanische Republik) und Sevilla ein Streit gebe, wo das wirkliche Grab liege. Eine DNA-Analyse sollte Gewissheit schaffen. Doch in Santo Domingo erlaubte man bis heute die Untersuchung nicht.

Analyse

Das Ei nicht
was sonst denn
ein Splitterchen bloss
DNA aus der Hüft
des Kolumbus
ein Zeichen
Santo Domingo
Sevilla
Reliquienstreit
spanisch

Nach der Führung durch den Kathedralbezirk unternahmen wir eine Rundfahrt mit dem Bus. Dabei bewunderten wir unter anderem die Baudenkmäler, welche  anlässlich der ibero-amerikanischen Ausstellung von 1928 aufgestellt worden sind.

Dienstag, 1. April 2008: Sevilla, 2. Tag - Spaziergang durch die verwinkelte Altstadt zur Casa de Pilatos. Wir besichtigten den Stadtpalast mit seinen Höfen, Gärten, Skulpturenschmuck aus der Antike und prächtigen Innenräumen.

Zeuseln

Umschwanend
schwängert
die Leda
olympischer Lustmolch

Mythologie in der Casa de Pilatos in Sevilla

Nach dem Besuch der Casa de Pilatos durchliefen wir das Barrio de Santa Cruz und kamen zum Palacio de la Condesa de Lebrija, den wir ebenfalls besichtigten. Am späten Nachmittag war schliesslich noch der Rundgang durch das interessante Museo de Bellas Artes angesagt, sehenswert als Gebäude (Kloster) und wegen der imponierenden Sammlung spanischer Maler. Am Abend war ein festliches Nachtessen angesagt, wozu die Männer eingeladen waren, eine Kravatte zu tragen.

Kulturstrick

Männer umhalsend
saucenbekleckert
mühsam geknotet
grundsätzlich gehasst
reduziert mit der Zeit
das wärmende Halstuch
Krawatte

Bei 21 Grad Celsius wurde in gepflegten Räumen das Essen von gestylten Kellnern der angemessen gekleideten Gästeschar serviert, der es trefflich gemundet hat. Ein schöner Abend.


Mittwoch, 2. April 2008: Sevilla, 3. Tag - Wir besichtigten am Vormittag ausführlich die Reales Alcázares, die königlichen Paläste von Sevilla in maurischem und christlichem Stil. Erfreut hat uns auch die grosse Parkanlage mit ihren Gartenarchitekturen.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen bestand die Möglichkeit, die Stadt weiter auf eigene Faust zu entdecken oder einen Einkaufsbummel zu unternehmen. Mit einem gemeinsamen Besuch einer Flamenco-Show in der Nähe am späten Abend beschlossen wir den Tag. War es der ausdruckstarke Tanz oder die Tatsache, dass während unseres Aufenhalts in Sevilla in der dortigen Arena jeden Abend vier Stierkämpfe durchgeführt wurden, welche Viktor Weibel zu folgendem Gedicht inspirierten?

Inquisition

Üppig die Weide
das Dasein im Grünen
paradiesisch dem Tier
schwarz
und des Menschen entwöhnt
Vier Jahre
dann gilt es
er oder die
die immer die Starken
er der Verlierer
Scheingefecht nur
Schwarzer fällt
unter dem Degen

Denkmal für die gefallenen Stiere

Donnerstag, 3. April 2008: Osuna - Eine weitere sehenswerte Stadt in der Ebene von Campiña besichtigten wir: Osuna. Hier bewunderten wir die Bauwerke aus der Zeit der Renaissance und des Barocks, in welcher die Stadt als Residenz der Herzöge von Osuna blühte. Besonders sehenswert war das Kloster mit den wunderbaren Klosterarbeiten und die Stiftskirche. Nach dem Mittagessen fuhren wir weiter nach Priego de Córdoba. Im Hotel mit Swimmingpool liess sich die verbleibende Zeit ohne Langeweile verbringen.

 

Darstellung des Frühlings im Kreuzgang von Osuna

Freitag, 4. April 2008: Priego und Naturpark Subbéticas Cordobesa  - Am Morgen besichtigten wir die Barockstadt Priego de Córdoba mit seinen hübschen Stadthäusern, dem königlichen Brunnen und der mittelalterlichen Altstadt, die üppig mit Blumen geschmückt war. Nicht entgehen liessen wir uns die Besichtigung des Sacrarios, einer der schönsten kirchlichen Rokoko-Räume Spaniens.

Konditor Barock

Spritzsäcklich
verunsichert der Blick
Festes schnörkelnd vertuscht
flutendes Licht
Himmel auf Erden
meist züchtig gewandet die Helden
weil heilig
nackt auch daneben
falls himmlisch geflügelt
ein Knäblein
verbrämt die Erotik

Inneres der Sakramentskapelle in Priego

Dann fuhren wir nach Zuheros. Von hier unternahmen wir eine abwechslungsreiche vierstündige Bergwanderung im Naturpark (Nicht-Wanderer blieben in Priego oder verbrachten die Zeit im 4-Stern-Hotel). Das gemeinsame Schluss-Nachtessen brachte uns unerwartete Produktionen einzelner Teilnehmer. Vielen Dank.

Samstag, 5. April 2008: Heimreise - Während der Fahrt zurück zum Flughafen legten wir in Antequerra einen letzten Halt ein. Hier besichtigten wir die Oberstadt, dann nahmen wir zum letzten Mal ein spanisches Essen ein, um anschliessend zum Flughafen in Málaga zu fahren. 

Aussicht von der Oberstadt von Antequerra

Check-In und Rückflug mit der SWISS nach Zürich brachten keine Probleme, ebenso wenig die Heimfahrt nach Stans (Ankunft um 21.30 Uhr). Die Heimat hatte uns wieder. Eine schöne Reise ging damit zu Ende. Die Erinnerung an "Al Andalus" aber wird uns bleiben.

Al Andalus

Tiefdunkle Bläue
duftende Blüte
steineichig Land
anbrandend das Meer
stampfend und singend
hallt Maurisches nach

 
» zurück
 
 
 
 
 
Historischer Verein Nidwalden c/o Staatsarchiv, Stansstaderstrasse 54, 6371 Stans, info@hvn.ch, www.hvn.ch  
created by IAG die web-macher